Vorige Woche: „Bundesliga bis 31. Oktober weiter ohne Zuschauer.“ Diese Woche: „Gesundheitsamt Leipzig lässt 8400 Zuschauer zu.“ Bundespolitik vs örtliche Begebenheiten – schauen wir, wie’s weitergeht. Was aber klar ist: Wenn Besucher wieder in die Stadien gelassen werden, dann vorerst nur die sogenannten „Heimfans“.
Doch was ist ein Heimfan? RB Leipzig hat ihn schon definiert mit „Wohnsitz in Sachsen“. Abgesehen davon, dass die Leipziger bei ihrer legendär misslungenen Aufstiegsfeier vor vier Jahren Sängerin Anna Loos und ihre Band die Trikots aller Ost-Vereine auftragen ließ (Motto: Wir vertreten euch alle), ist das eine treffende Eingrenzung: Denn Fans des Konstrukts wird man außerhalb seines engsten Wirkungskreises nicht finden. Das gilt für Leipzig und auch ein paar der kleineren Erstligaclubs. Es wird wohl keine Exil-Mainzer in Wolfsburg geben oder Sinsheimer, die sich in den FC Augsburg schockverliebt haben. Regionale Linien lassen sich also meistens schon ziehen.
In Nordrhein-Westfalen wird das schwieriger. Dürfen zu Bayer Leverkusen nur dort wohnhafte oder geborene Menschen gehen? Was ist mit dem Bayer-Anhänger, der vernünftigerweise nach Köln gezogen ist? Würde man ihn verdächtigen, die Bayer-Szene infiltrieren zu wollen, und müsste man ihm den Zutritt daher verwehren? Und wie stellt man fest, ob jemand aus Lüdenscheid oder Herne nun dem BVB oder Schalke zugetan ist, wenn er ein Ticket beantragt?
Am krassesten würde die Regelung den FC Bayern treffen. Er hat einen Dauerkartenbesitzer in Buxtehude, und der durchschnittliche Anreiseweg eines Bayern-Fans beträgt um die 350 Kilometer. Einen beträchtlichen Teil der Mia-san-mia-Familie stellen ergo die Preußen. Die Sechziger würden sich in diese Diskussion einschalten können mit dem Hinweis, dass sie Münchens wahre Liebe sind und die Einheimischen ja eh lieber zu ihnen gehen und bei den Roten noch gar nie nicht gewesen sind, weil die ja auch lieber die Amis und Chinesen umschwärmen. Wenn in nächster Zeit ausschließlich München-Wohnsitzler das Anrecht hätten, zu einer Bayern-Partie zu gehen, würde auch ein in seiner Kapazität reduziertes Grünwalder Stadion reichen. Im Gegenzug bräuchte 1860 das Mehr an Platz in Fröttmaning. Und würde mit dem Defiliermarsch einziehen.
Guenter.Klein@ovb.net