„Die Mannschaft ist reifer geworden“

von Redaktion

Jens Scheuer geht in seine zweite Saison als Frauentrainer des FC Bayern – voller Optimismus

München – Nach der knappen 1:2-Niederlage im Champions-League-Viertelfinale gegen Olympique Lyon vor zwei Wochen starten die Frauen des FC Bayern am Sonntag mit dem Heimspiel gegen den SC Sand (14 Uhr) in die neue Bundesliga-Saison. Für Trainer Jens Scheuer, 41, ist es die zweite Saison in München, im Interview spricht er über die Entwicklung der Mannschaft und erklärt, was noch fehlt, um die ganz großen Gegner zu schlagen.

Herr Scheuer, nur zwei Wochen sind vergangen seit dem Hit gegen Lyon. Fühlt es sich trotzdem wie ein Saisonauftakt an?

Wir sind seit gut zehn Tagen aus Bilbao zurück, deswegen konnten wir uns noch mal gut auf den Bundesliga-Start fokussieren. Wir freuen uns, dass es losgeht.

Das Spiel gegen das absolute Topteam von Lyon war sehr eng. Konnten Sie trotz der Niederlage Gutes aus dem Spiel ziehen?

Es ist uns gelungen, viele Dinge gut umzusetzen, die wir uns in der Vorbereitung und im letzten Halbjahr erarbeitet haben. Aber wenn ich verliere, bin ich natürlich nicht zufrieden. Es gibt noch Punkte, bei denen wir uns steigern müssen. Das sind zwar eher Kleinigkeiten, auf die es aber am Ende ankommt, um auch so ein Spiel gegen die vermeintlich beste Mannschaft der Welt zu gewinnen.

Beim 0:0 gegen Wolfsburg Ende Juni spielte Ihr Team ebenfalls stark. Was sind diese Kleinigkeiten, die fehlen, um die großen Gegner zu schlagen?

Rückblickend auf das Lyon-Spiel hätten wir im letzten Drittel eine noch bessere Zweikampf-Quote gebraucht. Wir hatten Gelegenheiten, den direkten Weg zum Tor zu suchen. Wir müssen unsere Spielerinnen jetzt noch weiter ermutigen, es auch zu tun. So ähnlich wie es Serge Gnabry oder Kingsley Coman bei unseren Herren machen. Sie zwingen den Abwehrspieler immer wieder in direkte Duelle und entscheiden diese dann auch für sich. Dann hat man eine Überzahlsituation im Sechzehner und kann für gefährliche Momente sorgen. Das ist der Anspruch an unsere Offensivabteilung, diese Duelle noch zielstrebiger und mutiger zu suchen und dann auch zum Abschluss zu kommen.

Nach dem Highlight gegen Lyon geht der FC Bayern nun als großer Favorit in das Bundesligaspiel gegen den SC Sand. Ist das eine schwierige Situation?

Die Gefahr besteht vielleicht, dass man so ein Spiel ein bisschen auf die leichte Schulter nimmt. Das wird uns aber nicht passieren. Wir haben uns in den letzten Tagen gut auf den Gegner vorbereitet und Testspiele von Sand beobachtet und analysiert. Ich glaube, dass unsere Mannschaft erwachsen genug ist, auch gegen solche Gegner voll fokussiert zu sein und dass sie ihre volle mentale Stärke einbringen wird. Gegen kleinere Gegner – ohne Sand da jetzt etwas absprechen zu wollen – dürfen wir keine unnötigen Punkte liegen lassen, so wie es letzte Saison zu Beginn passiert ist.

Die Niederlage gegen Leverkusen im Herbst war sicherlich ein Tiefpunkt der letzten Saison. Sind Sie optimistisch, dass die Mannschaft so etwas in der neuen Spielzeit vermeiden kann?

Wir haben zum Saisonauftakt zwei schwere Spiele gegen Freiburg und Frankfurt gewonnen. Es war danach viel mehr ein Ausrutscher, aus dem wir wichtige Lehren gezogen haben. Auch für die Mannschaft war es wichtig zu erkennen, dass 90 Prozent nicht reichen. Sie muss in jedem Spiel den Willen und die Griffigkeit haben, sofort da zu sein, auch gegen die kleinen Gegner. Da sind wir jetzt wesentlich weiter. Bereits in der Zeit nach der Corona-Pause standen wir sehr stark unter Druck, weil wir mit Hoffenheim einen sehr starken Verfolger hatten. Da hat die Mannschaft gezeigt, dass sie reifer geworden ist.

Nach dem Spiel gegen Lyon haben Sie gesagt, dass Sie irgendwann die Champions League mit der Mannschaft gewinnen wollen. Wie ist der Zeitplan dafür?

Planbar ist ein Champions-League-Sieg definitiv nicht. Es gibt im Moment mehrere Vereine in Europa, die extrem aufrüsten. Wir wollen unsere Mannschaft so entwickeln, dass wir als Kollektiv gegen die Topteams wie Lyon und künftig wahrscheinlich Chelsea oder Manchester City mithalten können. Wenn wir als geschlossene Einheit auftreten, die zuvor erwähnten Kleinigkeiten verbessern und konsequent und effektiv agieren, haben wir sicher Chancen, gegen die Topteams zu bestehen.

Zurück zum Bundesliga-Start. Was sind Ihre Ziele für die kommende Saison?

Ich erwarte mir, dass wir diese Saison das Rennen um die Meisterschaft offener gestalten können. Das ist ein Ziel. Dazu gehört aber auch, dass unser Konkurrent Wolfsburg nicht so souverän durch die Saison geht wie zuletzt und bis auf die zwei Unentschieden gegen uns alle anderen Spiele gewinnt. Mein Hauptziel ist aber tatsächlich, dass wir selbst mit hoher Konstanz durch die Saison gehen und keine Punkte unnötig liegen lassen. Denn dann können wir uns in den Topspielen gegen Wolfsburg und andere Mannschaften wie Hoffenheim und Frankfurt – die nach der Fusion mit der Eintracht ebenfalls enorm aufgerüstet haben – den nötigen Vorsprung holen und belohnen.

Interview: Christian Stüwe

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