Löw kopiert die Flick-Taktik

von Redaktion

Hohes Pressing, geringere Ballbesitzphasen – bis am Ende die Kraft ausgeht

VON MANUEL BONKE

Stuttgart – Auf dem Weg zur EM im kommenden Jahr orientiert sich Bundestrainer Joachim Löw fußballerisch stark am Erfolgsmodell des FC Bayern. Die Zeiten von endlosen Pass-Stafetten und Ballbesitz nur des Ballbesitzes wegen sind nun auch beim DFB vorbei – das wurde beim 1:1 in der Nations League gegen Spanien deutlich.

Statt Tiki-Taka setzt Löw vermehrt auf Flicki-Flacka. So wird die Art und Weise, wie Hansi Flick den FC Bayern Fußball spielen lässt, von Fans in den sozialen Netzwerken bezeichnet. Die Flick-Bayern zeichnen sich durch ein enorm hohes Pressing, aggressives Gegenpressing und zielorientierten Ballbesitzphasen aus. Damit haben die Münchner in der zurückliegenden Spielzeit bekanntlich die Meisterschaft, den DFB-Pokal und die Champions League gewonnen – und nun kopiert auch der Bundestrainer Bayerns Triple-Formel.

In den ersten 45 Minuten schob Abwehrchef Niklas Süle die deutschen Ketten weit in die spanische Hälfte, vor allem die Außenspieler Thilo Kehrer und Robin Gosens standen im 3-5-2-System sehr hoch. „Vor allem in der ersten Halbzeit war es echt ein gutes und interessantes Spiel, hochintensiv und taktisch von beiden wahnsinnig mutig. Die Spanier haben versucht, uns schon im eigenen Sechzehner zu pressen. Wir haben Mann gegen Mann gespielt mit klarer Zuordnung. Wir haben früh attackiert“, analysierte Löw.

Im Vergleich zur Spielweise der Bayern fehlte der Nationalmannschaft allerdings die letzte Entschlossenheit im Pressing – und auch die Kraft, um diese Spielweise volle 90 Minuten durchziehen zu können. „Es war eine Sache der Kraft und der Konzentration“, sagte Löw: „Wir haben nach 60 Minuten gemerkt, dass die Kraft noch nicht reicht, über 90 Minuten so zu attackieren.“

Ab diesem Zeitpunkt ließ sich Deutschland fallen und agierte bisweilen mutlos. Das sah auch Torschütze Timo Werner so: „Nach dem Tor haben wir uns vielleicht zu weit hinten reindrücken lassen.“ In dieser Phase hätte sich Löw wieder mehr Kontrolle gewünscht: „Da muss die Mannschaft auch lernen, Ballbesitz zu haben, den Gegner ins Laufen zu bringen und ein paar Giftpfeile zu setzen in Form von Kontern.“

So, wie es der FCB in den vergangenen Monaten unter Flick perfektioniert hat.

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