Direktor Bierhoff will nachdenken

von Redaktion

DFB reagiert auf Kritik an Kurz-Flugreise – Regenwassertipps und Umweltcup: Glaubwürdig?

München – Das deutsche 1:1 in der Schweiz war eine sehr ernüchternde Vorstellung, die Netz-Gemeinde debattierte darüber und fand eine Erklärung: Es müssen die Reise-Strapazen gewesen sein.

Eine Bemerkung voller Ironie. Denn der Deutsche Fußball-Bund hatte mal wieder alles getan, um seiner Nationalmannschaft eine anstrengende Tour zu ersparen. Die 260 Kilometer lange Strecke zwischen Stuttgart, dem Ort des vorangegangenen Spiels, und Basel wurde mit dem Flugzeug bewältigt. Mehr ein Sprung als ein Flug. Starten und schon wieder landen. Der DFB postete das Boarding seiner Spieler auf den sozialen Kanälen und brachte den Shitstorm somit selbst in Gang. Der erreichte einen Tag später auch die klassischen Medien, im ZDF sagte der neue Experte, Ex-Nationalspieler Per Mertesacker: „Es wäre besser gewesen, auf dem Boden zu bleiben.“

Ein Kurzstreckenflug passt eben nicht, wenn man erst vor neun Monaten plakativ der Klimaschutzinitiative der Vereinten Nationen beigetreten ist und auf der Homepage den vielen Amateurspielern im Lande rät, sie sollten die Fußballschuhe doch mal mit Regenwasser säubern. Vor einigen Jahren hat der DFB auch einen „Umweltcup“ ausgeschrieben, bei dem Vereine belohnt wurden, wenn sie ihre CO2-Emissionen reduzieren. Schirmherrin war die Grünen-Politikerin Claudia Roth, Protagonisten einer Anzeigenkampagne Manuel Neuer und die Bender-Zwillinge. Sie erinnerten: Licht ausschalten, wenn man die Kabine verlässt, Energie sparen.

Der DFB war am Sonntagabend dann überrascht, dass ihm das alles um die Ohren gehauen wurde, er verteidigte den Flug mit Hinweis darauf, dass die Hygienemaßnahmen so am besten einzuhalten waren. Bei einer Zugfahrt hätte man in Karlsruhe umsteigen müssen (und einen Menschenauflauf ausgelöst). Die Busfahrt wäre mit drei Stunden zu lang ausgefallen – erhöhte Verletzungsgefahr. Der Teambus fuhr die Strecke zwar – aber leer.

Mobilität ist immer ein kontroverses Thema im Fußball. Mit der ständigen Fliegerei wirke er abgehoben. Dass Spieler auch mal einen Privatjet nehmen, stehe für die Entrücktheit der Branche. Dabei wird durchaus auch mal Zug gefahren. Sogar Nationalspieler sind nach Rückkehr von Länderspielreisen etwa nach Frankfurt mit dem ICE weiter in die Heimatstädte gereist. Und beim Confed Cup 2005 gab es sogar eine gemeinsame Reise von Frankfurt nach Köln – die Deutsche Bahn fuhr damals eine Werbekampagne, alle Nationalspieler bekamen eine Bahncard 100 – freie Fahrt im gesamten DB-Netz.

DFB-Direktor Oliver Bierhoff will nun darüber nachdenken, „wie wir künftig die wichtigen Aspekte Umwelt und Nachhaltigkeit stärker in unseren Planungen und Entscheidungen berücksichtigen können“. Frank Baumann, Sportdirektor von Werder Bremen, wäre es am liebsten, es gäbe in der Corona-Zeit nur den nationalen Spielbetrieb, denn Länderspiele bedingen Reisen in Risikogebiete und für die entsandten Spieler durch neue Begegnungen eine erhöhte Infektionsgefahr. Sein Wunsch wird allerdings nicht erhört werden. Denn UEFA und nationale Verbände benötigen die Einnahmen aus der Vermarktung dringend. Wie die Clubs ja auch. GÜNTER KLEIN

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