Spannend wie selten

von Redaktion

Nach den Pyrenäen kämpft mit Primoz Roglic, Tadej Pogacar und Egan Bernal ein Trio um Gelb

La Rochelle – Primoz Roglic hatte das Gelbe Trikot kaum übergestreift, da erreichten den neuen Spitzenreiter der Tour de France schon überschwängliche Glückwünsche von höchster Stelle. „Slowenien ist Gelb! Bravo, Rogla“, schwärmte Staatspräsident Borut Pahor. Roglic, der Topfavorit auf den Gewinn der 107. Frankreich-Rundfahrt, kam früh zu großen Ehren – dabei ist noch nichts erreicht.

Einen klaren Sieger im Pyrenäen-Showdown am Wochenende gab es schließlich nicht. Roglic, sein junger Landsmann Tadej Pogacar, Titelverteidiger Egan Bernal als bester Fahrer eines starken kolumbianischen Trios, dazu zwei Franzosen in Schlagdistanz zum Podium: Das Rennen um den Gesamtsieg beim wichtigsten Radrennen der Welt dürfte spannend wie selten werden.

„Ich bin auf jeden Fall glücklich. Jedes Kind will das Gelbe Trikot wenigstens einmal im Leben tragen“, sagte Roglic. Auf der zweiten und letzten Pyrenäen-Etappe nach Laruns am Sonntag hatte der Kapitän des Teams Jumbo-Visma den Briten Adam Yates als Führenden der Gesamtwertung abgelöst.

21 Sekunden beträgt sein Vorsprung auf Bernal. Es ist ein kleiner Vorteil, über den man eines wissen muss: Roglic hat ihn sich ausschließlich (!) mit Bonussekunden erarbeitet, unter anderem mit dem Sieg bei der Bergankunft in Orcieres-Merlette.

Wie gut ist der 30 Jahre alte Vuelta-Sieger also wirklich? Sein Team, zu dem auch der deutsche Road-Captain, Tony Martin zählt, machte jedenfalls den stärksten Eindruck. Die in Gelb-Schwarz gekleidete Equipe bestimmte in den Bergen das Tempo, die Dominanz, wie sie etwa die Sky-Mannschaft von Chris Froome über Jahre demonstrierte, besitzt sie allerdings nicht. „Das Team hat eine starke Leistung gezeigt“, sagte Roglic dennoch, „das Gelbe Trikot ist verdient.“

Bei aller Unterstützung war Roglic vor den Gipfeln letztlich doch allein. Attacken fuhr er nicht. Ein Zeichen von Schwäche? „Ich bereue das nicht“, sagte Roglic: „Ich bin froh über die Position, in der ich mich befinde. Es ist ein weiter Weg bis Paris.“

Das weiß auch Bernal. Der 23 Jahre alte Vorjahressieger trägt derzeit Weiß, das Trikot des besten Jungprofis. Er will es gegen Gelb tauschen. Ja, er habe Zeit eingebüßt, „aber ich bin geduldig und bleibe fokussiert. Es ist eine dreiwöchige Rundfahrt und die letzten Etappen werden hart“, sagte der Kapitän des Teams Ineos Grenadiers.

Am kommenden Freitag könnte Bernal beim Ausflug ins Zentralmassiv attackieren. Spätestens wenn die Tour in der Schlusswoche die Alpen erreicht, muss er es. Es dürfte ein Spektakel werden, denn Roglic und Bernal sind nicht allein.

Bernals Landsleute Nairo Quintana (Arkea-Samsic/5.) und Rigoberto Uran (6./EF Pro Cycling) liegen nur 32 Sekunden hinter Roglic. Die Franzosen Guillaume Martin (3./Cofidis/+ 0:28 Minuten) und Romain Bardet (4./AG2r/+ 0:30) sind noch besser platziert. Für den deutschen Hoffnungsträger Emanuel Buchmann (18./Bora-hansgrohe/5:45) ist das Podium dagegen außer Reichweite.

Besondere Gefahr droht Roglic von einem Youngster. Tadej Pogacar, 21 und wie Roglic Slowene, kürte sich am Sonntag in Laruns zum bislang jüngsten Etappensieger des 21. Jahrhunderts. Der Emirates-Profi agiert angriffslustig, unbekümmert und dürfte weiter für einige Furore sorgen.

Auch Sloweniens Staatspräsident Borut Pahor hat ihn längst auf dem Schirm. Seine Glückwünsche galten auch Pogacar: „Bravo, Pogi“, schrieb Pahor.

Artikel 1 von 11