Die neue U 21 läuft hinterher

von Redaktion

Nach 1:4 gegen Belgien: EM-Qualifikation in Gefahr – Kuntz hofft auf mehr Fitness im Oktober

Leuven – Die höchste Pleite seiner Amtszeit verdaute Stefan Kuntz ohne seine Mannschaft auf der belgischen Autobahn. Verteilt auf mehrere Mini-Busse wurden die U21-Nationalspieler direkt nach dem deftigen 1:4 (1:1) in Leuven zurück nach Deutschland gebracht, für eine gemeinsame Analyse blieb kaum Zeit. „Die Spieler müssen die Selbstreflexion jetzt selbst übernehmen“, formulierte Kuntz es stilblütenverdächtig, die Corona-Regelungen hatten Vorrang.

Zu bereden hätte es genug gegeben. Nicht nur das Ergebnis erinnerte an jenes denkwürdige 1:4 auf Island im August 2010, das die U 21 zum bislang letzten Mal die EM-Teilnahme gekostet hatte. Seither war der Unterbau von Joachim Löws Nationalteam bei allen vier EM-Endrunden dabei, holte 2017 in Polen den Titel und verlor 2019 erst im Finale gegen Spanien.

Eine Wiederholung dieser Erfolge scheint mit der aktuellen U21 schwer. „Es ist kein Geheimnis, dass wir wussten, dass eventuell schwächere Jahrgänge kommen. Für mich war es schon eine Sensation, wie wir letztes Jahr in Udine abgeschnitten haben“, sagte Kuntz dann auch im kleinen Presseraum in Leuven. Viele seiner Akteure erhalten kaum Spielpraxis in der Bundesliga, wechseln daher nach Belgien oder in die Niederlande. Die Voraussetzungen für Kuntz könnten wahrlich besser sein.

Vorzeitig aufgeben wollte aber auch der DFB-Trainer nicht. Das 1:4 höre sich „erst mal schlimm an“, gab Kuntz zu, die deftige Pleite war indes vor allem Folge der frühen Roten Karte gegen Amos Pieper (18.). Und auch wenn die Tabellenführung nun futsch ist, sind die Chancen auf die EM-Teilnahme gar nicht so schlecht, wie es scheint. „Ich glaube, dass es noch nicht vorbei ist. Wir haben drei Endspiele, die wir gewinnen müssen“, sagte Kuntz.

Das ist durchaus möglich: Die Hinspiele gegen Moldau, Bosnien-Herzegowina und Wales gingen alle klar an das DFB-Team. Und selbst wenn Belgien nicht mehr patzen, sondern den Gruppensieg holen sollte, hätte die Kuntz-Auswahl gute Chancen, zu den fünf besten Gruppenzweiten zu gehören. „Wir haben es leider nicht mehr in der eigenen Hand. Wir müssen die letzten drei Spiele gewinnen, das ist eine einfache Rechnung“, sagte Verteidiger Nico Schlotterbeck von Union Berlin.

Kuntz setzt vor allem darauf, im Oktober nach Beginn der Bundesliga fittere Spieler vorzufinden. „Dann werden wir auch unsere Ansprüche wieder höher schrauben“, sagte er. Zudem wird im Herbst der noch jüngere Jahrgang wohl seine erste Duftmarke hinterlassen: Kuntz hat die Nominierung von Bayer Leverkusens Ausnahmetalent Florian Wirtz bereits angekündigt. Für die „individuelle Förderung von Flo“ sei es sinnvoll, direkt in die U21 zu springen, so Kuntz, der 17-Jährige sei schon sehr weit.

Ganz so schwarz sieht die Zukunft des deutschen Fußballs nämlich nicht aus, auch das haben die letzten Tage gezeigt. Zwar verlor auch die U 19 des DFB am Dienstag gegen Belgien mit 0:1. Die deutsche U 17 wiederum hatte in der Vorwoche sogar zweimal gegen die „Roten Teufel“ getestet – und zweimal gewonnen.  sid

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