Final-Drama um Zverev

Schlimmer geht’s nimmer

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Hut ab, Alexander Zverev! Nach einer Corona-Pause voller persönlicher Fehltritte ist der beste deutsche Tennisspieler bis ins Finale der US Open gestürmt. Eine grandiose Leistung, die ihm vor der ersten Grand-Slam-Veranstaltung im Pandemie-Gewand kaum jemand zugetraut hat.

Im Endspiel hat er Dominic Thiem über zweieinhalb Sätze an die Wand gespielt. Sicher, Thiem hat die ersten zwei Stunden weit unter seinen Möglichkeiten agiert. Allerdings war es Alexander Zverev, der den Österreicher mit seinem klugen Mix aus Angriff und Defensive nicht zur Entfaltung kommen ließ. Thiem zu einer so schwachen Vorstellung zu bringen, lag an der Stärke seines Gegners. Zur Erinnerung: Vor dem Spiel hatte so gut wie kein Experte dem Deutschen überhaupt einen Satzgewinn gegen einen bis dahin bestechend aufspielenden Thiem prophezeit.

Doch ein Happy-End war dem gebürtigen Hamburger nicht vergönnt. Thiem wurde stärker. Zverev konnte den Sack nicht zumachen. Der Österreicher hat sich durch das Tief gebissen und stets an seine Chance geglaubt. Mit dieser Überzeugung wird das nicht der letzte Major-Titel des 27-jährigen Niederösterreichers gewesen sein. Das Tragische für Zverev an dieser Niederlage: Er ist vier Jahre jünger als Thiem, und mit 23 Jahren hat er mit großer Wahrscheinlichkeit nun bereits die schmerzvollste Niederlage seiner gesamten Karriere erlitten. Schlimmer kann es kaum noch werden.

Psychologisch wäre es für ihn einfacher, hätte er in New York glatt in drei Sätzen verloren. „War einfach nicht mein Tag. Mund abwischen, trainieren, besser machen“, so hätte Zverev sich eine solche Pleite erklären können. Doch jetzt werden ihm die Szenen, wie er seinen Gegner scheinbar mühelos dominiert oder im fünften Satz zum Matchgewinn serviert, wieder und wieder durch den Kopf gehen. Er hat das Finale nicht spielerisch, sondern mental verloren.

Kann Zverev das Drama von New York im Kopf verarbeiten und schon bald wieder mit breiter Brust um die großen Titel mitspielen, wäre das sogar eine noch größere Leistung als sein erster Grand-Slam-Titel.

Wahre Champions werden nicht im Triumph, sondern in der Niederlage geboren.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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