Grenoble – Im Kampf um den wichtigsten Radsport-Titel der Welt legt auch die dickste Freundschaft eine Pause ein. „Natürlich, wir sind echte Kumpels“, sagt Tadej Pogacar (21) über seinen besten Spezi und größten Rivalen Primoz Roglic (30): „Aber eben auf den letzten Renn-Kilometern nicht.“ Der blutjunge Heißsporn Pogacar und der lässige Roglic: Zwischen den beiden slowenischen Ausnahmekönnern wird die 107. Tour de France entschieden – und beide kündigen für die dritte und letzte Woche einen erbitterten Kampf an.
„Das hier ist noch lange nicht vorbei“, sagte Roglic, der den zweiten Ruhetag dieser so fordernden Tour als Gesamtführender mit dem dünnen Polster von 40 Sekunden auf seinen knapp neun Jahre jüngeren und so angriffslustigen Landsmann verbrachte. Beim kurzen Durchschnaufen im Tal der Isère im Schatten der Alpen-Riesen, an denen in den kommenden Tagen das Duell um das Gelbe Trikot ausgetragen wird, war Roglic weit davon entfernt, sich in Sicherheit zu wähnen.
„Ich hätte gerne mehr Vorsprung, keine Frage. Tadej hat wirklich gute Beine“, sagte der Vuelta-Sieger, der zu gerne auch der erste slowenische Tour-Sieger wäre. Weil Roglic mit seinem unfassbar starken Jumbo-Team Titelverteidiger Egan Bernal (Kolumbien) am Sonntag förmlich aus den Schuhen und aus dem Rennen um den Tour-Sieg fuhr, sprach er zwar von einem „guten Tag“. Aber: „Tadej war ein bisschen stärker als ich.“
Und deshalb reagierte der frühere Junioren-Weltmeister im Skispringen auch verschnupft auf die Frage, ob er als Mann in Gelb seinem Landsmann den Etappensieg beim Bergshowdown am Grand Colombier am Sonntag generös überlassen habe: „Ich werde Tadej hier sicher keine Geschenke machen – wir sind Freunde, das ändert aber nichts daran, dass wir beide unbedingt gewinnen wollen.“
Tour-Debütant Pogacar, der nach Bergetappensiegen bei dieser Tour 2:1 vorne liegt, sieht sich zwar immer noch als Außenseiter – seinem Widersacher will er aber bis zum finalen Schlagabtausch beim Bergzeitfahren an der Planche des Belles Filles am Samstag keine ruhige Minute gönnen. „Im Moment scheint Primoz nicht zu stoppen“, sagte der Youngster: „Aber am Sonntag ist schon Bernal geplatzt. Vielleicht werde ich platzen – oder eben Primoz platzt. Bei einer dreiwöchigen Tour weiß man nie.“
Was man aber ziemlich sicher weiß: Nach den bisher gezeigten Leistungen kann der Tour-Sieger eigentlich nur aus dem Zwei-Millionen-Einwohner-Land Slowenien kommen. „Ich war jetzt lange nicht mehr in der Heimat, aber die Leute dürften jetzt verrückt spielen“, sagte Roglic.