Dauer-Gerede um Alaba

Die Bayern in der Zwickmühle

von Redaktion

HANNA RAIF

Die paar Tage bei der Nationalmannschaft sollten eigentlich eine Auszeit sein, zumindest für den Kopf. Andere Gesichter, andere Aufgaben, so der Plan beim FC Bayern. David Alaba etwa veröffentlichte bei seiner Ankunft beim österreichischen Nationalteam ein Foto von sich, unter das er sinngemäß schrieb: „Eingecheckt. Auf geht’s!“ Der Alltag in München war in diesem Moment ganz weit weg. Und doch irgendwie ganz nah.

Wenn in München ein Verantwortlicher auf einem Podium Platz nimmt, kommt man um das Thema Alaba nicht rum. Und weil Hasan Salihamidzic im Laufe dieser Woche gleich vier Neuzugänge einzuführen hatte, war der Poker um den Abwehrchef eben auch mehrfach auf der Agenda. Was man aus den letzten Tagen weiß: Die Bayern stellen Alaba kein Ultimatum. Angeblich aber gibt es Interesse aus Turin, den Österreicher nach Ablauf seines Vertrages im kommenden Sommer ablösefrei (und mit einem üppigen Handgeld) zu verpflichten. Zwei ziemlich dicke Dinger, und das in einer Länderspielpause. Man kann sich ausmalen, wie dieser Fall in den kommenden Wochen (oder Monaten?) weitergehen wird.

Schon jetzt haben die Verhandlungen zwischen dem FC Bayern und Alaba alles, was man sich als Verein nicht wünscht. Ein frühes Signal, der Wunsch nach Verlängerung, wurde nicht erhört. Stattdessen folgten: ein Beraterwechsel, überzogene Gehaltsvorstellungen, Gespräche ohne Ergebnis, Ärger, öffentlichkeitswirksam platzierte Anschuldigungen (Stichwort: „Geldgieriger Piranha!“), geschickte Konter, Vieraugengespräche, Funkstille. Alles begleitet von unzähligen Interviews, aus denen jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Ist ein positives Wort über den FC Bayern eine Botschaft Alabas? Was bedeutet Karl-Heinz Rummenigges „vorsichtiger Optimismus“? Und ist Salihamidzic wirklich so cool, wie er tut? Fragen, die so lange mitschwingen werden, bis es ein Ergebnis gibt. Dass das bald der Fall sein wird, ist – Juve-Interesse hin oder her – eher unwahrscheinlich.

Die Bayern befinden sich längst in der Zwickmühle. Sie haben verstanden, dass Alaba sich wertgeschätzt fühlen möchte, Zuspruch und keinen Druck braucht. Sie wissen aber auch, wie viel Unruhe ein Poker als Nebenschauplatz mit sich bringt. Man erinnert sich noch gut an die zähen Verhandlungen mit Manuel Neuer. Im Vergleich zu Alaba: eine kleine Episode. Kinkerlitzchen.

Hanna.Raif@ovb.net

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