Gierig nur auf dem Platz

von Redaktion

Costa will kein Söldner sein: „Ich lebe nicht in der Vergangenheit“ – Priorität: Fit werden!

VON HANNA RAIF

München – Seltsam, sagte Douglas Costa gestern, sei es, auf diesem Podium in diesem Presseraum an der Säbener Straße eine Pressekonferenz zu geben. Denn, führte er aus, „ich kenne hier schon alles“. Die Laufwege, die Kollegen, die Trainingsplätze, nicht viel hat sich geändert, seitdem der Brasilianer den FC Bayern im Jahr 2017 verlassen hat. Auch nicht – und das merkte er schnell – die kritischen Fragen, mit denen er konfrontiert wird.

„Söldner“ lautete das Stichwort, das die offizielle Vorstellung des 30-Jährigen prägte. Gleich vier Mal wurde nachgebohrt, ehe Costa klarstellte: „Ich lebe nicht in der Vergangenheit. Das ist vorbei für mich, das Thema ist erledigt.“ Natürlich wird es trotzdem mitschwingen, wenn der „alte Bekannte“ (Hasan Salihamidzic) womöglich schon morgen im DFB-Pokal gegen den 1. FC Düren zu seinem zweiten Debüt beim deutschen Rekordmeister kommt. Denn ein Gespräch mit Uli Hoeneß, von dem das Wort und der damit verbundene Vorwurf der Geldgier nach Costas Abgang 2017 geprägt wurden, hat es noch nicht gegeben. Hoeneß sei damals „sehr wichtig“ gewesen, aber das ist jetzt Geschichte.

Die Bayern hatten freilich damit gerechnet, dass die Vergangenheit an Costas erstem offiziellem Arbeitstag noch einmal aufgerollt werden würde. Das war gestern der Fall. Seinen Einstand im Mannschaftstraining begleiteten die zuletzt im Kurzurlaub befindlichen Thomas Müller, Jerome Boateng und Javi Martinez sowie die weiteren Neuzugänge. „Alles“, sagte Costa, sei „so, wie ich es kenne. Die Intensität im Training ist sehr hoch, es ist immer eine Herausforderung.“ Das gilt vor allem für den Flügelflitzer, der in Turin lange kein Stammspieler war. Weil zahlreiche Blessuren ihn zudem in den vergangenen Jahren ausgebremst haben, betonte auch Salihamidzic: „Er ist eine Waffe im 1:1, er kann unserem Spiel Impulse geben. Aber er muss gesund bleiben.“

Das ist das primäre Ziel, dem alles untergeordnet wird. Nach der Einheit machte Costa Steigerungsläufe, er will sich „Schritt für Schritt, Tag für Tag“ heranarbeiten, um dann zu „zeigen, welche Rolle ich hier spiele“. 2015 war jene, die für ihn vorgesehen war, eine Nummer zu groß. Er wurde weder der „neue Robben“ noch „der neue Ribéry“. Vielmehr konnte Costa das Versprechen, das er nach einem fulminanten Start in München gegeben hatte, nicht halten. Ob er heuer als Ersatzspieler eingeplant oder aber intern tatsächlich als echter Konkurrent zu Leroy Sané, Kingsley Coman und Serge Gnabry gilt, wird sich zeigen. Er stellte schon klar: „Ich bin immer gerne auf dem Platz. Es motiviert mich, das Trikot des FC Bayern überzustreifen.“

77 Mal war das zwischen 2015 und 2017 der Fall. Heute ist Costa keine 25 Jahre mehr, sondern 30, und er sagt, er sei „in Italien reifer geworden“. Auch an seinem Körper habe er „noch intensiver gearbeitet“, ansonsten aber „habe ich mich nicht groß verändert“. Darüber, ob das gut oder schlecht sei, kann man nun streiten. Hoeneß wurde zu dieser Causa noch nicht befragt, Salihamidzic aber versicherte gestern erneut: „Charakter ist eine Sache, auf die wir bei Transfers achten.“ Der Sportvorstand fügte nicht ohne Grund hinzu: „Aber hier wird schon auch Fußball gespielt. Wir wissen, was Douglas geleistet hat.“

Übersetzt heißt das: Die Antwort auf die Frage, die auch bei der vierten Nachfrage nicht konkret beantwortet wurde, soll er auf dem Platz geben. In München auf dem Rasen zu stehen, hat Costa übrigens vermisst. Generell hat er „ein gutes Leben hier“ gehabt, „ich habe mich sehr wohl gefühlt. Nur das Klima ist hart für mich.“ Das draußen, wohlgemerkt.

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