„Richy steht die Welt noch offen“

von Redaktion

Ex-Coach Fröhling traut Neudecker zu, Einfluss auf eine ganze Löwen-Generation zu nehmen

München – Torsten Fröhling hat mehr als eine Vorahnung, als er den Anruf aus München entgegennimmt. „Geht’s um Richy Neudecker? Ein feiner Junge! Vielleicht braucht er die Heimat, um wieder aufzublühen.“ Herzhafter Lacher, Treffer versenkt.

Fröhling (54) sitzt in seinem Trainerbüro der Schalker U 23 und weiß bestens Bescheid über seinen ehemaligen Schützling, den er als Coach der 1860-Amateure vor fünf Jahren aufs blaue Profigleis beförderte. Neudeckers Gala beim 4:1 der Löwen gegen Lübeck? „Hab ich gesehen – zumindest die Highlights, wir hatten ja selbst ein Spiel.“ Der Eindruck des Experten: „Er übernimmt Verantwortung, kann ein Spiel lesen, über seine Technik müssen wir nicht reden. Wichtig ist, dass er jetzt Stabilität reinkriegt. Ich würde mich für Richy und 1860 freuen, wenn der Weg gemeinsam nach oben führt. Mit 23 steht ihm die Welt noch offen.“

Bei den Löwen sind die Erwartungen an den gebürtigen Altöttinger klar formuliert. Nach seinen erst- und zweitklassigen Erfahrungen im holländischen Venlo und beim FC St. Pauli könne Neudecker „mit seinen Fähigkeiten dazu beitragen, dass die nächste Löwengeneration den nächsten Schritt gehen wird“, ließ sich Sportchef Günther Gorenzel bei der Verpflichtung Anfang September zitieren. Neudecker selbst sagte gestern bei Löwen-TV: „Wir haben einen Plan, wollen Fußball spielen, uns nicht anpassen an die Gegner. Man merkt natürlich, dass sich viele Vereine hinten rein stellen, es geht knackig zur Sache, aber dann muss man sich eben reinkämpfen und versuchen, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken.“

Das gelingt dem „Kampfzwerg“ (Eigenbeschreibung) von Woche zu Woche besser, seine Flexibilität zahlt sich aus. Fröhlings Einschätzung: „Ich sehe Richy am stärksten auf der Acht, als Box-to-Box-Spieler, aber ich weiß auch: Am liebsten würde er auf der Sechs spielen, das ist für viele Spieler die neue Zehn, weil sie da die meisten Ballkontakte bekommen. Michael Köllner wird sicher die Position finden, wo Richy der Mannschaft am meisten bringt. Er hat eine große Spielintelligenz, ist schnell und vielseitig – da kann man schon was mit anfangen.“

Und auch als Identifikationsfigur ist Eigengewächs Neudecker prädestiniert, selbst wenn sein Dialekt nur noch durchschimmert. Damals im blauen Jugendinternat habe ihn kaum jemand verstanden, drum habe er sich auf Hochdeutsch verlagert, erzählt er. „Umso geiler finde ich es, dass wir jetzt in der Profimannschaft Spieler haben, die Dialekt sprechen und das auch eiskalt durchziehen. Lex, Greilinger, Willsch bleiben ihrem Bairisch treu, das finde ich überragend.“ LUDWIG KRAMMER

Artikel 1 von 11