Der neue Lieblingsfranzose

von Redaktion

Coman begeistert auf und neben dem Platz – und wird von Flick gekitzelt: „Schaue genau hin“

VON HANNA RAIF

München – Dieser Mann, der neben dem Platz gerne schrille Outfits trägt und auch auf dem Platz von einer gewissen Aura umgeben ist, wirkte plötzlich wie ein lieber Schuljunge. Dick eingepackt in einem Club-Anorak stand er da neben dem Feld in der leeren Allianz Arena, hörte den Fragen zu diesem 4:0 gegen Atletico ganz aufmerksam zu – und sagte dann: „Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Ich habe zwei Treffer erzielt und bin sehr glücklich.“ Selbst sein Gegenüber war kurz verdattert. Coman sprach flüssig Deutsch, eine Premiere.

Die Worte sind an so einem Abend, an dem man mit zwei Treffern und einer Torvorbereitung sozusagen der Mann des Spiels ist, aber vielleicht auch einfach leichter zu finden. Zumal die Geschichte von Kingsley Coman zum Start in sein sechstes Vertragsjahr in München ja wirklich eine absolut runde ist. Schon den ersten Treffer zum Auftakt der Triple-Saison hatte er ja erzielt, im Gruppenspiel 2019/20 gegen Roter Stern Belgrad (3:0). Deutlich mehr im Gedächtnis aber ist ihm, seinen Kollegen und den Bayern-Fans der bis Mittwoch letzte auf der europäischen Bühne. „Ich denke schon noch ein bisschen an meinen Treffer aus dem Champions-League-Finale“, sagte Coman, fügte aber pflichtbewusst hinzu: „Nur ist die letzte Saison abgeschlossen. Wir wollen neu angreifen.“ Daran, dass das zum Auftakt schon bestens gelang, hatte Coman gegen Atletico trotz einer kollektiv starken Mannschaftsleistung den größten Anteil.

Hansi Flick nahm sich den 24-Jährigen schon vor dem Gang in die Kabine zur Seite. „Ich habe ihm gesagt, das ist der Maßstab, daran wird er in den nächsten Spielen gemessen“. Der Trainer kündigte an, „in den nächsten Wochen genau hinzuschauen“, denn nicht nur ihm ist die Bilanz aufgefallen, die Coman im Bayern-Trikot aufweist. In insgesamt 110 Bundesliga-Spielen kommt er auf 19 Tore und 20 Vorlagen, während er in der Königsklasse für zehn Treffer und elf Assists gerade mal 29 Einsätze gebraucht hat. Das erweckt doch den Anschein, als funktioniere der Franzose im Rampenlicht besser als im grauen Alltag.

„Es ist wichtig, dass er nicht nur vorbereitet, sondern auch Tore schießt. Das gehört in der Bundesliga auch dazu“, sagte Flick. Daran, dass Coman es kann, bestand noch nie ein Zweifel. Auch seine Treffer gegen Atletico – der erste nach Kimmichs sensationellem Zuspiel, der zweite nach einem starken Sololauf – waren sehenswert und zeigten die Vielseitigkeit des Profis auf, den Jupp Heynckes einst als „hochsensibles Rennpferd“ bezeichnete. Das darf man ja auch nicht vergessen: dass dieser Coman recht verletzungsanfällig ist – und sich immer wieder zurück in die Mannschaft kämpfen muss.

Weil seine Flügel-Konkurrenten Serge Gnabry (Corona), Leroy Sané (Reha) und Douglas Costa (Trainingsrückstand) mit sich selbst beschäftigt waren bzw. sind, ist Coman die Konstante. „Es macht viel Spaß in dieser Mannschaft, wir spielen gut zusammen“, sagte er. Auch das in so flüssigem Deutsch, dass sich sogar Lothar Matthäus im Sky-Studio begeistert zeigte. Der hatte ja einst einige französische Mitspieler: „Aber keiner hat so gut Deutsch gesprochen.“

Der Ex-Kapitän verglich Coman auf und neben dem Platz gar mit Franck Ribery. Und da ist schon etwas dran. Zahlreiche Franzosen sind seit 2015 dazu gekommen. Coman aber ist der Liebling.

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