Bayerns fulminanter Start

Gefahr aus allen Ebenen

von Redaktion

HANNA RAIF

Die Bewertung einer Bayern-Mannschaft verläuft üblicherweise in Zyklen. Von einem „Team im Umbruch“ geht es meist schnell über in eine „Mannschaft in ihren letzten Zügen“. Die Zeitspanne dazwischen, also jene, in der man alters- wie leistungsmäßig genau richtig aufgestellt ist, ist erfahrungsgemäß kurz. Es gab schon Generationen, da fand sie gar nicht statt. Anders jetzt.

Es ist übertrieben, nach einem fulminanten Startsieg wie jenem 4:0 gegen Atletico Madrid in Ekstase zu verfallen. Das war ein guter Einstand, ein Ausrufezeichen, aber zur Erinnerung: Auch im Herbst 2019 beeindruckte ein 7:2 in Tottenham die Konkurrenz – ehe unter Niko Kovac die Depression um sich griff, die Bayern in die Krise schlitterten und Hansi Flick übernehmen musste. Da stehen die Zeichen heuer doch anders. Denn dass so etwas wieder passiert, ist so gut wie ausgeschlossen. Das lehren der Mittwoch – und das gesamte letzte Jahr.

Als gutes Beispiel dient der Auftritt gegen Atletico also doch. Denn auch wenn die Corona-Lage die sportlichen Gesichtspunkte ein wenig in den Schatten stellte, ließen sich zahlreiche wichtige Erkenntnisse ablesen. Die Tatsache, dass die Bayern trotz des Triples kein Stück ihres Hungers verloren haben, ist das eine. Viel wichtiger aber waren die Details, die in diesem ersten richtigen Härtetest auf internationaler Bühne offensichtlich wurden. Da steht nicht nur der richtige Trainer an der Seitenlinie, um die Ansammlung an Stars zu moderieren und motivieren. Da ist vor allem die richtige Mischung an Spielern auf dem Platz, die im Kollektiv wie als Individuum so gut funktioniert, wie man es selten gesehen hat.

Die Gefahr geht in dieser Bayern-Mannschaft inzwischen von überall aus. Aus der Offensive – zentral wie über die Flügel – sowieso. Aber auch aus dem Mittelfeld, gewissermaßen aus der zweiten Reihe. Gegen Atletico leitete Joshua Kimmich das erste Tor ein, bevor auch Leon Goretzka und Corentin Tolisso trafen. Alle geben alles für alle. Die, die auf dem Platz stehen, und – Stand jetzt – auch die, die von der Bank kommen.

Als „Hauptfavorit“ wurden die Bayern gestern in Spanien betitelt. Das ist früh, aber nicht übertrieben. Dieses Team ist weder „im Umbruch“ noch „in den letzten Zügen“. Es ist genau richtig. Und auch die Hoffnung, dass diese Zeitspanne bei dieser Generation überdurchschnittlich lang sein wird, ist durchaus berechtigt.

Hanna.Raif@ovb.net

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