München – Die Aussagen „sehr zufrieden“ und „zum Genießen“ fielen am Mittwoch nach Abpfiff, und das war für alle Beteiligten eine kleine Genugtuung. Denn für diejenigen, die die 24 Stunden vor Anpfiff beim FC Bayern verfolgt oder gar miterlebt haben, hatte dieses 4:0 gegen Atletico Madrid gleich zwei eindeutige Botschaften gesendet. Die erste ging an die europäische Konkurrenz, der das Team von Hansi Flick gezeigt hatte, dass die Triple-Form auch in der neuen Spielzeit anhält. Die andere, an diesem Tag vielleicht wichtigere, ging an alle da draußen. Sie lautete: Selbst Corona zur Unzeit kann diese Bayern nicht stoppen.
„Es war schon ein Schock“, sagte Leon Goretzka, als er auf den positiven Test von Serge Gnabry angesprochen wurde. Natürlich sei dem Torschützen zum 3:0 klar gewesen, „dass es irgendwann bei uns einschlagen wird. Denn es war wie eine Lawine, die an einen immer näher herangekommen ist.“ Allerdings, so führte Hansi Flick aus, sei die Tatsache, „dass es so schnell und vor so einem Spiel passiert“, doch unglücklich gewesen. Dass die Mannschaft die Nachricht „gut weggesteckt und eine gute Leistung gezeigt“ habe, war an diesem Abend eine schöne Momentaufnahme, stimmte aber vor allem positiv für die Zukunft, in der weitere Infektionen nicht ausgeschlossen sind. Zwar hoffte Karl-Heinz Rummenigge, „dass das ein Einzelfall war und wir weiter mit voller Kapelle antreten können“. Gestern Nachmittag aber wurde über einen zweiten Fall berichtet. Laut „Bild“ soll sich Physiotherapeut Gianni Bianchi infiziert haben. Dass ein Zusammenhang mit Gnabry besteht, ist unwahrscheinlich, genau wie Konsequenzen für die Partie morgen gegen Frankfurt.
Gnabrys Diagnose hatten die Bayern am Tag vor dem Spiel früh bekommen, intern ging man aber nie davon aus, dass die Partie abgesagt werden müsse. Dennoch zitterten die Verantwortlichen so lange, bis das Gesundheitsamt München nach einem Telefonat mit Gnabry sowie Befragungen zu den Hygienemaßnahmen an der Säbener Straße grünes Licht gab – und die Corona-Tests der übrigen Spieler negativ waren. Angst vor dem eigenen Ergebnis habe zumindest er nicht gehabt, sagte Goretzka. Ein wenig Bammel aber gehört dieser Tage schon dazu. Auch bei den Abstrichen gestern, heute und morgen. Die Bayern testen nun noch engmaschiger als vorher – und appellierten an ihre Spieler.
„Die Sinne noch mal schärfen“ will Rummenigge, „damit wir noch mal ohne großen Schaden rauskommen“. Der Vorstandsboss erinnert sich noch gut an den Re-Start der Bundesliga, der für alle anderen Ligen und Wettbewerbe des Kontinents als Vorbild galt. Er erinnert sich aber auch an die Zeit davor – und sagte daher: „Ein nochmaliger Lockdown für den Fußball wäre ein Drama.“ Auch Flick mahnte öffentlichkeitswirksam und eindringlich: „Wir müssen uns an die Hygieneregeln halten, gucken, dass wir Masken tragen, Abstand haben. Anders können wir uns nicht schützen.“
Eine „Kontaktperson 1“ hat es zu Gnabry nicht gegeben, sonst hätte das Gesundheitsamt eingegriffen. Dennoch muss man abwarten, was passiert. Die Hoffnung ist, auf dem Platz weitermachen zu können wie bisher. Mit nahezu allen Mann – auch Leroy Sané trainierte gestern mit dem Team. Und so, „souverän und erfolgreich“ (Flick) wie am Mittwoch.
Gnabry, der symptomfrei ist, sah wie alle Fans vor dem TV, was diese Mannschaft zu leisten imstande ist. „Die Effizienz war enorm gut, ein Tor schöner als das andere. Das lassen wir so stehen“, sagte Flick mit Blick auf die Treffer von Kingsley Coman (28./72.), Goretzka (41.) und Tolisso (66.). Der Auftritt rund zwei Monate nach dem Finalsieg von Lissabon sei nun „die Messlatte“, Flick stellte klar: „Das wollen wir auch in der Liga und im Pokal sehen.“ Dabei ging es dem 55-Jährigen gar nicht um das Offensivspiel, sondern vor allem um „die Präsenz in den Zweikämpfen“. Jeder wollte, jeder rannte. Da konnte Flick also tatsächlich 90 Minuten lang „einfach genießen“.