Im Fußball vollzieht sich gerade Erstaunliches: Anhänger der unterschiedlichsten Lager demonstrieren Einigkeit. Sie drücken Mario Götze für seinen Neuanfang beim PSV Eindhoven die Daumen. Wo sonst die Vereinsbrille weit weg von jeglicher Objektivität blind macht, begleiten den ehemaligen Nationalspieler fast ausnahmslos positive Gedanken. Selbst so mancher Schalke-Fan soll den mehr als gelungenen Start des Ex-Dortmunders in der Eredivisie zufrieden zur Kenntnis genommen haben.
Zu brutal war der Absturz von Mario Götze. Vom deutschen Jahrhundert-Talent, vom WM-Siegtorschützen zum gescheiterten Hochbegabten und 28-jährigen Auslaufmodell. Und das genüsslich präsentiert auf dem medialen Silbertablett. Dabei war es nicht sein Tor im WM-Finale von Rio, das seinen Abstieg einleitete. Götze hatte dort bereits eine sportlich enttäuschende Weltmeisterschaft hinter sich, die durch seinen goldenen Schuss lediglich verklärt wurde. Das Glück verließ ihn bereits ein Jahr zuvor, als er von Borussia Dortmund zum FC Bayern wechselte. Die Coup schlug ein wie ein Bombe, brachte jedoch nie den erwünschten Effekt, Weder für den Rekordmeister – noch für Götze. Und ein Drama in vielen Akten begann, mit einer – zugegeben einzigartigen – Unterbrechung am 13. Juli 2014 in Brasilien.
Im Herbst 2020 nun also Eindhoven. Freilich – Götze ist erst zweimal für seinen neuen Club aufgelaufen. Hat beide Male getroffen. Bei den Kommentaren aus der Bundesliga zu seinem Schritt nach Holland schimmerte stets etwas Verwunderung durch, die nah an Überheblichkeit kratzte. Vor allem vom BVB-Macher Hans-Joachim Watzke. Eine Überheblichkeit, die Eindhoven in der fußballerischen Diaspora wähnt und die Bundesliga sportlich auf einem ganz anderem Planeten. Auch hier lässt man sich gern davon täuschen, dass mit dem FC Bayern eine Übermannschaft die europäischen Durchschnittlichkeit der übrigen Clubs kompensiert.
Zudem klingt es bei Watzke so, als habe sein Verein mit der negativen Entwicklung des Fußballers Götze nichts zu tun gehabt. Als sei es ausschließlich die Schuld des Spielers, dass er nicht an alte Zeiten anknüpfen konnte. Sollte Götze beim PSV wirklich nachhaltig aufblühen, wird sich Fußball-Deutschland freuen.
Und der BVB muss sich selbstkritisch hinterfragen.
Daniel.Mueksch@ovb.net