Deutschland A gegen Deutschland B?

von Redaktion

Internationaler Spielverkehr im Eishockey schwierig – Diskussion um WM 2021 in Belarus

VON GÜNTER KLEIN

München – In einem normalen Jahr wäre seit Wochen plakatiert. Eintrittskarten, Tages- wie Dauertickets, wären verkauft. Und weil es in eineinhalb Wochen losgehen soll, hätte der Bundestrainer wohl auch schon seinen Kader bekannt gegeben.

Doch normal ist nichts, wenn eine Pandemie dazwischenfunkt – und so existiert für den Deutschland Cup im Eishockey, der für 5., 7. und 8. November mit Austragungsort Krefeld im Kalender steht, noch nicht einmal ein Terminplan. Fakt ist: Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hält an seinem Hausturnier, erstmals 1987 ausgetragen, fest – aber kann noch nicht sagen, wie viele Teilnehmer er wird begrüßen können.

Die Stammgäste Slowakei und Schweiz haben wegen der Corona-Reisebeschränkungen und hoher Fallzahlen in ihren Ländern abgesagt. Russland, das den Deutschland Cup mit einer jungen Auswahl schmückte in den vergangenen beiden Jahren, kommt ebenfalls nicht. Eine US-amerikanische oder kanadische Truppe, gebildet aus Legionären, die in europäischen Ligen unterwegs sind, ist nicht realisierbar, weil viele der Importspieler noch in Übersee sind. Zwar erklärte sich Lettland bereit, in Krefeld mitzuwirken, doch ist nach der Absage des zweiten Ersatzkandidaten Norwegen am Sonntag der derzeit einzige Gegner für die deutsche Nationalmannschaft. Fehlen also noch zwei Teams.

Das Alternativszenario des DEB ist eine Abweichung vom Viererformat. Zu Deutschland A und Lettland könnte noch ein Deutschland B stoßen, ein Perspektivteam aus Junioren und Spielern bis 24, wie Bundestrainer Toni Söderholm sie im Sommerlehrgang in Füssen versammelt hatte. „Wir wollen, dass so viele deutsche Spieler wie möglich aufs Eis kommen“, sagt der Finne. Normal fänden im November-Slot auch U-Länderspiele statt, doch die wurden komplett gestrichen.

Die Generation U 20 um die 18-jährigen NHL-Draftpicks Tim Stützle, Lukas Reichel und John-Jason Peterka ist die einzige Altersgruppe, die sich derzeit sicher sein kann, in dieser Saison ihr internationales Highlight zu erleben. Die Junioren-WM in Edmonton, Kanada wird ausgetragen. „Wir spielen das in einer Bubble“, sagt Horst Lichtner, der deutsche Generalsekretär des Eishockey-Weltverbandes IIHF. Schon der Gewinner des Stanley Cup in der NHL war Ende September in Edmonton, abgeschottet von der Außenwelt, ermittelt worden.

Lichtner hat am Wochenende dem Deutschlandfunk ein Interview gegeben, das Wellen geschlagen hat. Wegen der Emotionalität beim verbalen Schlagabtausch mit Moderator Matthias Friebe, vor allem aber aufgrund von Lichtners Haltung. „Was für ein furchtbares Interview!“, empörte sich der Fechter Max Hartung, Gründungspräsident der Organisation „Athleten Deutschland“.

Es ging um die Eishockey-WM 2021. Sie ist 2017 schon vergeben worden an Belarus und Lettland als Co-Ausrichter. In Folge der politischen Entwicklungen in Belarus seit der von Präsident Alexander Lukaschenko wohl frisierten Wahl macht Lettlands Ministerpräsident Druck, die Kooperation mit Belarus aufzukündigen. Der nationale Eishockey-Verband in Minsk reagiert trotzig mit der Ankündigung, man könne die WM (21. Mai bis 6. Juni) auch ohne die Letten wuppen.

In Deutschland haben sich sowohl DEB (die Nationalmannschaft soll in der Gruppe im lettischen Riga spielen) wie Profiliga DEL um ein Statement zur Lage in Belarus gewunden. Und die IIHF, die wegen Corona schon auf die WM 2020 in der Schweiz hatte verzichten müssen, verschanzt sich hinter Verträgen und Statuten. „Wir sind eine unpolitische Organisation, es ist nicht legitim, von uns ein politisches Signal zu fordern“, sagt Horst Lichtner, „wir machen Sport für die Fans, und die sitzen auch in Belarus.“ Man werde nicht vertragsbrüchig und glaube nicht an die Sinnhaftigkeit eines Boykotts. „Der hilft weder politisch noch irgendeinem Sportler.“ Belarus sei trotz der Demonstrationen „ein Land, das funktioniert“.

Gleichwohl gelte „Security First“. Eine externe Expertengruppe beurteile derzeit die politischen und gesundheitlichen Risiken (Lichtner: „Die Covid-Situation ist das größere Problem“). Am 18. November tagt das 13-köpfige IIHF-Board in der Causa Belarus.

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