Düsseldorf – Kapitän Uwe Gensheimer reiste am Montag „mit gemischten Gefühlen“ nach Düsseldorf. Natürlich freute sich der Kapitän der deutschen Handballer auf das Wiedersehen mit seinem Team und Bundestrainer Alfred Gislason, doch er warnte eindringlich vor der „gefährlichen Situation“. Spätestens als sich Keeper Andi Wolff am Mittag pandemiebedingt abmeldete, waren die Corona-Sorgen im deutschen Team allgegenwärtig. „Wenn so viele Spieler aus so vielen Ländern zusammenkommen, dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass zumindest einer das hat“, sagte Abwehrchef Hendrik Pekeler mit Blick auf das für Donnerstag (16.15 Uhr/ZDF) geplante EM-Qualifikationsspiel gegen Bosnien-Herzegowina: „Und dann befürchte ich einfach, dass es sich wie ein Lauffeuer ausbreiten kann.“
Momentan, das ergänzte Kreisläufer Patrick Wiencek mit einem „mulmigen Gefühl“, rücke der Sport in den Hintergrund. „Wir wollen alle gesund bleiben.“
Genau aus diesem Grund musste nach Spielmacher Philipp Weber auch 2016-Europameister Wolff kurzfristig passen. Wie bei Webers Klub Leipzig hatte es auch bei Wolffs Teamkameraden in Kielce positive Befunde gegeben. „Wir folgen mit unseren Nationalmannschaften einem strengen Hygienekonzept, um Risiken zu minimieren“, begründete DHB-Sportvorstand Axel Kromer die Entscheidung zum Verzicht. Man werde in den kommenden Tagen „sehr flexibel reagieren, sobald dies nötig ist“.
Und doch könnten alle Vorsichtsmaßnahmen beim DHB am Ende nicht reichen. Wegen zahlreicher Corona-Fälle beim Gegner – Benjamin Buric, Torhüter in Flensburg, sprach von zehn positiv getesteten Nationalmannschaftskollegen, ahnt Gislason längst, dass sein Debüt auf der Kippe steht. Schon seine im März geplante Premiere gegen die Niederlande war wenige Stunden vor dem Anpfiff coronabedingt abgesagt worden.
An einen festen Trainingsplan mochte Gislason jedenfalls noch gar nicht denken. „Eigentlich wollte ich am Dienstag um elf Uhr trainieren. Aber das kann ich erst, wenn alle Tests vorliegen“, sagte der 61-Jährige. Fürs Einstudieren neuer Inhalte bleiben dem Nachfolger von Christian Prokop ohnehin im besten Fall nur der Dienstag und der Mittwoch. sid