Eskalation mit Vorspiel

von Redaktion

David Alaba ist „enttäuscht“ vom FC Bayern – Die Zeichen stehen auf Abschied

VON JONAS AUSTERMANN UND JOSÈ CARLOS MENZEL LÒPEZ

München – Am späten Sonntagabend ließ Bayern-Präsident Herbert Hainer die Bombe platzen. Im monatelangen Poker um eine Vertragsverlängerung von David Alaba über 2021 hinaus habe sich der Club entschieden, „das Angebot komplett vom Tisch zu nehmen“.

Eine Antwort von Spielerseite ließ nicht lange auf sich warten. Wie es der Zufall wollte, steht heute (21 Uhr, Sky) ein Champions-League-Spiel beim FC Salzburg an. Und im Vorfeld spricht, na klar, der einzige Österreicher im Bayern-Aufgebot: Alaba. Der 28-Jährige nahm dann kaum ein Blatt vor den Mund, erklärte, er sei „enttäuscht und ein bisschen verletzt“. Vom zurückgezogenen Angebot hatte Alaba demnach „aus den Nachrichten“ erfahren. Aus Sicht des Abwehrspielers nicht die einzige Verfehlung seines Clubs: „Ich habe immer wieder betont, dass ich es sehr gern gehabt hätte, dass Internes auch intern bleibt.“

Diesen Vorwurf hatte bereits Manuel Neuer seinem Arbeitgeber im April gemacht. Beim Keeper einigten sich die Parteien nach einigen Reibereien schließlich. Auf ein Entgegenkommen Alabas warteten die Bayern-Bosse jedoch vergebens, auch die Frist bis Ende Oktober ließen der Spieler und sein Berater Pini Zahavi wortlos verstreichen. Sportvorstand Hasan Salihamidzic musste laut Hainer selbst zum Hörer greifen und nachhaken. Die Zeichen deuten auf eine Trennung im Sommer hin. „Wie es weitergeht, wird sich zeigen“, erklärte der Linksfuß, ergänzte aber: „Ich spiele immer noch sehr gerne für den FC Bayern.“ Die spanischen Topclubs Real Madrid und FC Barcelona gelten seit jeher als Wunschziele Alabas. Bleibt die Frage, ob sich die finanziell keinesfalls auf Rosen gebetteten Vereine den Österreicher leisten können.

Ab Januar darf Alaba-Berater Pini Zahavi auch offiziell die Verhandlungen mit anderen Klubs aufnehmen, wahrscheinlich tut er das längst. Und bei ablösefreien Wechseln winkt Spieler wie Berater ein üppiges Handgeld. Zwischenzeitlich geisterten sogar Gerüchte durch den Blätterwald, Alaba fordere 25 Millionen Euro Gehalt. Und zudem, so Ehrenpräsident Uli Hoeneß, fordere der „geldgierige Piranha“ Zahavi eine Provision im zweistelligen Millionen-Bereich. Diese Summe wollte und konnte der Klub nicht bieten, immer wieder verweisen die Bayern auf hohe Verluste durch die Corona-Krise.

Der Bayern-Star meinte gestern: „Ich kann versichern, dass die Summen, die in den Raum gestellt werden, nicht der Wahrheit entsprechen.“ Ein Dementi habe er sich allerdings von einem Münchner Offiziellen gewünscht. Und noch etwas verärgerte Alaba nachhaltig, wie er „Sky“ verriet: Nach der zweiten oder dritten Verhandlungsrunde habe er „einen Anruf“ bekommen und sei gefragt worden, ob er sich einen Tausch vorstellen könne. Das deckt sich mit einem Bericht aus dem März.

Allerdings hatte damals ausgerechnet Berater Zahavi Alaba bei Manchester City angeboten, wollte so den Preis für Leroy Sané drücken. Die Bayern waren wenig erfreut, genau wie Alaba.

Das traf gestern auch aufBayern-Trainer Hansi Flick zu. „Ich bin alles andere als glücklich, dass wir uns mit diesem Thema in einer Woche mit zwei so schweren Spielen befassen müssen“, meinte der Coach und ergriff Partei für seinen Abwehrchef. „Ich wäre froh, wenn David über die Saison hinaus bliebe. Er ist ein ganz toller Mensch, der gewisse Werte verkörpert.“

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