Am Samstag, als in Köln schon knapp 80 Minuten gespielt waren, kam David Alaba für Javi Martinez aufs Feld, und man dachte: Da schau her! Kaum hat der Österreicher lange genug gejammert, darf er tatsächlich mal im Mittelfeld des FC Bayern spielen. Dass ihm die Versetzung in die offensivere Position angeblich bei seiner letzten Vertragsverlängerung im Jahr 2016 versprochen worden war – und das Versprechen nicht eingehalten wurde –, war ja ein Punkt, der den monatelangen Poker um einen neuen Kontrakt seit dem Frühjahr begleitet hat. Neben Gehalt, Laufzeit, Team-Hierarchie einer von vielen. Zu vielen, wie man seit Sonntagabend weiß.
Die Nachricht, die Herbert Hainer da im BR verkündete, schlug freilich ein. Und man muss dazu sagen, dass die Art und Weise – öffentlichkeitswirksam, ordentlich scheppernd – nicht unbedingt fein war. Trotzdem haben die Verantwortlichen des FC Bayern mit dem Rückzug des ohnehin großzügigen Angebots an den 28-Jährigen ein Zeichen gesetzt, das man ihnen so vor ein paar Wochen noch nicht zugetraut hatte. Damals, als Hasan Salihamidzic verkündete, Alaba nicht auf einen Zeitpunkt festzunageln, wähnte man den Triple-Sieger in einer Zwickmühle. Aus dieser hat er sich nun selbst befreit. Das Opfer, dass dafür gebracht werden muss, ist nicht klein. Aber es ist zu verschmerzen.
Stand jetzt wird David Alaba den FC Bayern 2021 nach 13 Jahren verlassen. Aber anders als etwa bei Toni Kroos wird man den Abgang kaum irgendwann als Fehler betrachten. Ja, David Alaba ist eine Art Eigengewächs, ein Publikumsliebling und ein Verteidiger auf europäischem Spitzenniveau. Aber er ist weder ein Urgestein wie Thomas Müller noch ein Unverzichtbarer wie Robert Lewandowski oder Manuel Neuer. Die Bayern dürften – womöglich in Leipzigs Dayot Upamecano? – einen Spieler finden, der Alaba auf dem Feld ersetzen kann. Dass ein Stück „mia san mia“ verloren geht? In Zeiten wie diesen das schwächere Argument.
Der Paukenschlag aus der Chefetage war in diesem Poker, bei dem von Beginn an alles schieflief, überfällig. Und er wird in ganz Fußball-Europa registriert. Die Corona-Botschaft aus der Säbener Straße lautet: Wir machen den Wahnsinn nicht mehr mit! Beide Seiten werden sich nun neu orientieren. Und für Alaba kann das Ganze ja auch etwas Gutes haben: Irgendwo, in einem anderen Club, darf er vielleicht dauerhaft im Mittelfeld spielen.
Hanna.Raif@ovb.net