Wiedervereinigung in Edmonton

von Redaktion

Dominik Kahun wechselt zu den Oilers und seinem alten Freund Leon Draisaitl

VON GÜNTER KLEIN

München – Im Fußball wäre das undenkbar. Team B spielt bei Team A, und weil ein Spieler von B mit einem Spieler von A befreundet ist, übernachtet er vor dem Spiel in dessen Haus und nicht mit der Mannschaft im Hotel. Verbrüderungen über Vereinsgrenzen hinweg werden nicht gern gesehen, wenn die beiden Clubs gerade dabei sind, aufeinanderzutreffen. Der Standardsatz dazu: Die Freundschaft wird dann mal ruhen.

Die Eishockey-Stars Dominik Kahun und Leon Draisaitl haben sich an dieses Fußballgebot nie gehalten. „Natürlich schläft Dominik bei mir“, erklärte Draisaitl, wie die beiden Kumpels es halten, wenn Kahun mit seinem NHL-Team in Edmonton gastiert. In Zukunft wird es aber kein Politikum mehr sein, wenn Kahun und Draisaitl sich treffen. Denn Dominik Kahun wechselt nach seinen bisherigen NHL-Stationen Chicago, Pittsburgh und Buffalo zu den Edmonton Oilers um ihren preisgekrönten Stürmer Leon Draisaitl. Offiziell verkündet haben es die Oilers noch nicht, doch Jiri Poner hat es dem Fachblatt „Eishockey-News“ gesteckt, Poner, 56, früherer Bundesligaspieler in Landshut, Köln und Mannheim, ist der Agent von Leon Draisaitl und seit einem Jahr auch von Dominik Kahun.

Sie haben viele Gemeinsamkeiten. Beide sind sie Jahrgang 1995 und haben daher in den U-Nationalmannschaften des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) zusammengespielt. Kennengelernt hatten sie sich in der U 16 der Jungadler Mannheim, dem führenden Club in der Nachwuchsarbeit. Unfassbar die Saison 2010/11: Bilanz Kahun: 35 Spiele, 81 Tore, 156 Vorlagen. Bilanz Draisaitl: 34 Spiele, 113 Tore, 110 Assists. Der dritte junge Mann im Bunde war Marc Michaelis (35 Spiele, 77 Scorerpunkte), der nun auch einen Vertrag in der NHL (Vancouver Canucks) bekommen hat.

Parallel gingen Kahun und Draisaitl 2012 auch nach Nordamerika, allerdings in unterschiedliche Juniorenligen. Kahun spielte für die Sudbury Wolves (OHL), Draisaitl für die Prince Albert Raiders (WHL). 2014 wurde Draisaitl von der NHL gedraftet, und zwar an Position drei – Kahun jedoch nicht. Experten sagten: Ähnliche spielerische Klasse wie Draisaitl, aber körperlich für die NHL zu fragil. In Draisaitls Gesicht sprießte frühreif ein Bart, Kahun war ein Babyface. Pierre Pagé machte ihm München schmackhaft, doch war dann als Trainer schon weg, als Kahun kam. Er erlebte eine harte Schule: musste in die zweite Liga, zum Farmteam Riessersee, es gab Krisensitzungen mit dem neuen EHC-Chefcoach Don Jackson. Doch mit der Zeit wurde Kahun so gut, dass klar war, dass die Münchner ihn irgendwann verlieren würden. 2018, auch mit der Schubkraft von olympischem Silber und drei Meisterschaften mit dem EHC, war es soweit: Wechsel in die NHL.

Im zwei Jahren hatte Kahun drei Clubs, als ungedrafteter Spieler gerät man eher in die Mühle ewiger Trades, sie sind kein Spiegelbild eventuell mangelnder Qualität. Er war, da Buffalo anders disponierte, frei, mit allen Interessenten zu verhandeln, und das bei den Oilers soll etwas Dauerhaftes werden. Schließlich hat er dort einen Fürsprecher: den Mann, bei dem er übernachtete.

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