Der eine so, der andere so

von Redaktion

Thema Alaba dominiert bei Bayern: Flick genervt, Team solidarisch, Bosse nicht auf einer Linie

VON HANNA RAIF

München – Im Regen stand Hansi Flick da, unter einem überdimensional großen Regenschirm. Es sah nach diesem 6:2 in Salzburg ein wenig so aus, als wolle sich der Bayern-Trainer schützen vor all den Dingen, die da auf ihn einprasselten. Nicht vor dem Wetter wohlgemerkt, sondern vor Dauer-Nachfragen zum Thema David Alaba. Flick sprach den für ihn wichtigsten Satz ganz ruhig: „Ich war heute mit David sehr zufrieden.“ Aber damit war es freilich noch nicht getan.

Es ist ja in den letzten Monaten schon viel geredet worden über den Österreicher und seinen auslaufenden Vertrag. Aber das, was da am Rande des 14. Serien-Sieges in der Champions League passierte, hatte eine neue Dimension. Der Tenor, der von der Reise nach Salzburg blieb: Der Betroffene ist „verletzt“, die Mannschaft steht hinter ihrem Mitspieler, Hansi Flick ist angefressen – und die Bosse sprechen nicht ganz eine Sprache. Was alle Aussagen allerdings eint: dass eine Verlängerung unter den gegebenen Umständen sehr unwahrscheinlich ist. Auch wenn offiziell gilt: „Sag niemals nie!“

Dieser Satz stammt von Hasan Salihamidzic, er wurde vor Anpfiff getätigt, und damit eine Nacht, bevor gestern die neuen Zeitschriften im Kiosk lagen. Der Sportvorstand hatte hinzugefügt, dass er nicht wisse, „wie wir noch zusammenfinden sollen“, anders äußerte sich da nun Karl-Heinz Rummenigge in der „Sport Bild“. Auf die Frage, ob Alaba den Verein 2021 ablösefrei verlassen werde (Salihamidzic: „Super-GAU!“), antwortete der Clubboss: „Das weiß ich nicht.“ Und auf jene nach dem berühmten Spalt in der Tür: „David Alaba muss nun für sich eine Entscheidung fällen.“ Dabei geht es nicht mehr darum, ein Angebot – das es nun nicht mehr gibt – anzunehmen. Sondern darum, ob man sich überhaupt noch mal an einen Tisch setzen will und wird.

Der Ball liegt nun beim Abwehrboss, die Bayern warten ab, treiben aber im Hintergrund die Suche nach einem Nachfolger voran. „Wir drehen uns seit Monaten im Kreis“, sagte Rummenigge: „Und irgendwann müssen wir die Planung für die neue Saison angehen.“ Das Ultimatum sei der richtige Weg gewesen, die Spieler, so der 65-Jährige, „müssen gerade in Zeiten von Corona auch Verständnis für die Clubs entwickeln“. Rummenigge selbst sieht Profis gut beraten, aktuell „bei einem Verein zu bleiben, wenn sie sich dort wohlfühlen“. Zudem ticken bei Bayern alle gleich: „Wir möchten alle, dass David bleibt. Er ist ein wunderbarer Mensch und Top-Spieler.“

Eine letzte Charmeoffensive? Rummenigge spricht immerhin Flick und dem Team aus der Seele. Der Coach etwa redet „fast täglich“ mit Alaba, „er ist für die Truppe wichtig, das hat er auch heute wieder gezeigt“. Das medial alles überstrahlende Thema ist auch in der Mannschaft Gesprächsstoff, bestätigte Jerome Boateng. Die Situation sei für seinen 28 Jahre alten Mitspieler „nicht einfach, aber er konzentriert sich aufs Wesentliche – und wir stehen absolut hinter ihm“. Auch Thomas Müller lobte: „Er bringt unabhängig von der Diskussion seine Leistung, ist für uns wichtig.“ Zudem will man „bei Bayern doch immer, dass sich etwas rührt. Es ist doch schön, wenn es knistert.“ Man kann die ganze Sache auch mit einem Augenzwinkern sehen.

Flick ist das Lachen inzwischen vergangen. Zunehmend genervt ist der Coach, der sich „einfach Ruhe in der Mannschaft“ wünscht. Auch ihm ist klar, dass das erst mal nicht passieren wird. Bis Alaba sich endgültig für oder gegen die Bayern entscheidet, wird nicht mal ein riesengroßer Regenschirm helfen.

Artikel 1 von 11