Posse um Alaba

Hollywood bringt nichts mehr

von Redaktion

HANNA RAIF

Man stelle sich da den jungen Thomas Müller vor. Lausbuben-Gesicht, Quatsch im Kopf – und die Zeitung in der Hand. Wann immer was los war beim FC Bayern, hatte der Pähler Bub besonders viel Spaß bei der morgendlichen Lektüre. Oder um in den Worten des gereiften Mannes Müller zu sprechen: „Ich habe so etwas früher gerne gelesen: FC Hollywood – da war man live dabei.“

Der Fall David Alaba als nette Abwechslung? So kann man es als Außenstehender sehen, intern hingegen ist allen das Lachen vergangen. Wer gedacht hätte, dass ein Ende mit Schrecken (= Zurückziehen des Angebots) einen Schlusspunkt setzt, wurde in den letzten Tagen eines Besseren belehrt. Die neuesten Entwicklungen der Posse: Hasan Salihamidzic macht die Tür zu, Karl-Heinz Rummenigge sie wieder einen Spalt weit auf, Alaba ist enttäuscht, Hansi Flick kann es nicht mehr hören. Gehalt, Wertschätzung, Tauschgeschäft – Tag für Tag steht Aussage gegen Aussage, eine Rückkehr an den Verhandlungstisch scheint aktuell ausgeschlossen. Aber wenn man ehrlich ist: Hätten beide Seiten die Verlängerung gewollt, wäre sie ohnehin längst in trockenen Tüchern.

Es wird weitergehen – aber alles, was noch kommt, ist nichts als die unrühmliche Fortsetzung eines Pokers, der vorbei ist. Was seit einem Dreivierteljahr nicht passt, kann jetzt, wo von beiden Seiten so viel so schiefgelaufen ist, kaum mehr passend gemacht werden. Die Schuldfrage für das Scheitern zu stellen ist müßig, keine der beiden Seiten hat sich in dieser Causa mit Ruhm bekleckert. Die Kommunikationspannen der Bayern – Anschuldigungen von Hoeneß, BR-Auftritt von Hainer, widersprüchliche Aussagen von Salihamidzic und Rummenigge – ziehen sich bis heute durch. Genau wie das Beharren von Alaba in der Opferrolle. Beides ist ausgelutscht, also: lieber nach vorne schauen!

Knapp acht Monate bleiben noch für einen würdigen Abschied auf dem Platz. Also dort, wo Rummenigge Alaba zuletzt als „schwarzen Franz Beckenbauer“ bezeichnet hatte. In dieser Aussage steckte so viel, allerdings nicht nur Wahrheit. Denn zwar ist Alaba ein guter Kicker, wurde aber anders als der „Kaiser“ in zwölf Jahren nie zu einer echten bajuwarischen Identifikationsfigur. Diese Rolle verkörpern andere bzw. vor allem einer: der Mann, der den FC Hollywood so liebt – und weiter jedes Detail rund um seinen Teamkollegen aufsaugen wird.

Hanna.Raif@ovb.net

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