Die Sorgenfalten werden tiefer

von Redaktion

HANDBALL Auch Michalczik positiv getestet– Ligaspiel verlegt

VON PATRICK REICHELT

München – Zugegeben, die Hoffnung war eine kleine. Und am Dienstagnachmittag hatte auch sie sich zerschlagen. Der Positivtest von Johannes Bitter im Verlauf der Länderspielreise nach Estland war kein Fehler, auch mit der zweiten Probe wurde der Schlussmann der Deutschen Handball Nationalmannschaft auffällig. Und seit gestern ist klar: Dabei ist es nicht geblieben.

Wie der Deutsche Handball Bund (DHB) vermeldete, wurde mit Marian Michalczik ein zweiter Nationalspieler positiv getestet. Beim Berliner Rückraumspieler bestätigte ebenfalls die Gegenprobe den Verdacht.

Die Handball-Bundesliga zog eine erste Konsequenz. Das gestern geplante Duell von Ex-Meister SG Flensburg-Handewitt und MT Melsungen wurde sicherheitshalber abgesagt. Beide Clubs hatten Akteure für die Länderspielreise abgestellt. Die Füchse Berlin beantragten nach Michalcziks Test die Verlegung ihres heute geplanten Auftritts bei Rekordmeister THW Kiel. Ob noch weitere Partien dieser Woche verlegt werden, darüber soll nach Abschluss der Tests bei allen Nationalspielern befunden werden. Auf der Länderspielreise selbst waren in insgesamt fünf Testreihen abgesehen von Bitters Probe alle Ergebnisse negativ ausgefallen. Vor allem in Göppingen wird man dem Ergebnis mit gemischten Gefühlen entgegensehen. Denn: Zwei Göppinger Nationalspieler sollen nach Medieninformationen gemeinsam mit Bitter im Auto nach Stuttgart zurückgereist sein. Verlegungen sind im ohnehin eng getakteten Spielplan natürlich alles andere als einfach.

Im Vorfeld der EM-Qualifikationsspiele – die DHB-Auswahl trat gegen Bosnien und in Estland an – hatte es schon umfangreiche Diskussionen gegeben. Liga-Chef Frank Bohmann hatte betont, man werde die Nationalspieler nur dann für die Einsätze abstellen, wenn die jeweiligen Verbände entsprechende Garantien für deren Sicherheit abgeben. Und im Nachhinein sieht sich Bohmann nun natürlich bestätigt. Bis zum Jahresende stehen nun zwar erst einmal keine Einsätze der Nationalmannschaften mehr an. Doch man werde bei zukünftigen Maßnahmen noch genauer abwägen, ob Spieler abgestellt werden oder nicht, betonte Bohmann.

Unabhängig von den Vorfällen rund um das Nationalteam, zog der Deutsche Handball Bund eine ganz andere Konsequenz aus der Pandemie und den derzeitigen Beschränkungen. Der Spielbetrieb in der 3. Liga und in der Jugend-Bundesliga wurde zumindest bis zum Jahresende ausgesetzt – die Fortsetzung ist für den 9. Januar geplant. Die dritte Liga ist im Handball ein Übergangsbereich zwischen Profi- und Amateursport. Tatsächlich muss im November ein Drittel der beteiligten Clubs den Betrieb ruhen lassen. Etwa die Hälfte davon dürfte den Spielbetrieb auch ohne Zuschauer nicht aufnehmen. Verbands-Vorstandsche Mark Schober will das ändern: „Wir kämpfen für alle Mannschaften auf politischer Ebene darum, dass sie trainieren können, wenn sie dies tun wollen“.

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