München – Rund drei Monate sind die Schnappschüsse alt: Zwei Jugendliche posieren im Kabinentrakt des Lissabonner Estadio da Luz mit Neymar, sie lächeln etwas schüchtern in die Kamera, tragen ein rotes Bayern-Shirt mit der Aufschrift „2020 –Champions of Europe“. Hätte man die beiden damals tatsächlich noch für bloße Fans des brasilianischen Superstars von Paris Saint-Germain halten können, weiß es Fußball-Europa spätestens seit Dienstagabend besser. Jamal Musiala und Bright Arrey-Mbi, jeweils zarte 17 Jahre alt, sind in der Champions League angekommen.
Bayern-Trainer Hansi Flick beorderte die Bubis gegen Atletico Madrid in die Startelf. Für Arrey-Mbi war es gar der erste Profi-Einsatz. Mit 17 Jahren, acht Monaten und fünf Tagen schnappte sich der Defensivmann auch gleich noch den Rekord als jüngster Königsklassen-Debütant des FC Bayern. Mit der Überzeugungsarbeit in eigener Sache hatte Arrey-Mbi schon im vergangenen Winter begonnen, als er im Trainingslager in Doha gut mithielt. Joshua Kimmich meinte damals: „Bright ist ein Biest.“
Auch Flick bescheinigt dem 17-Jährigen eine starke Physis und Geschwindigkeit, deswegen habe er „die Chance verdient“. Das Fazit nach den ersten 61 Minuten bei den Profis fiel etwas verhaltener aus. „Wir haben mit einer Fünferkette gespielt und Bright ist gelernter Innenverteidiger. Er hat die Aufgaben erfüllt“, sagte Flick. Arrey-Mbi musste in der neuen bayerischen Defensivformation als linker Flügelverteidiger ran. Er wirkte nicht sattelfest auf ungewohntem Terrain, das Atletico-Tor entstand über seine Seite. Eine Schande ist das mit 17 Jahren nicht.
Für Arrey-Mbi gipfelte in Madrid eine rasante Entwicklung. Im Sommer 2019 kam der in Kaarst am Niederrhein geborene Kicker vom FC Chelsea nach München, zuvor hatte er fünf Jahre auf der Insel gelebt, weil es seine Mutter beruflich dorthin gezogen hatte. In München mischte der 16-Jährige gleich in der U 19 mit. Im Sommer 2020 saß er für die Profis im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals erstmals auf der Bank– ausgerechnet gegen Chelsea. Auch beim Endrundenturnier der Königsklasse gehörte er zum Münchner Aufgebot, schaffte es jedoch nicht in den Kader. Für ein Foto mit Neymar nach dem Finale reichte es trotzdem. Am Dienstag ging der Bayern-Bubi ebenfalls nicht ohne Souvenir nach Hause, er sicherte sich das Trikot von Atleticos Ausnahmekicker Joao Felix.
Ganz anders als Arrey-Mbi kommt Offensivmann Musiala ziemlich schmächtig daher, spielerisch aber ist er schon eine Bereicherung. Das sieht auch Flick so. „Jamal spielt in einer Mannschaft mit Topspielern. Er ist auch bei diesen Spielern sehr hoch geschätzt“, sagte der Bayern-Coach. „Er hat die Ruhe am Ball, ist im Dribbling schwer zu stoppen. Er muss körperlich noch zulegen, aber allein mit dem, was fußballerisch zu sehen ist, kann der FC Bayern sehr zufrieden sein.“
Der dritte Bubi im Bunde war Angelo Stiller (19). Der nachnominierte Mittelfeldmann durfte eine Viertelstunde mitmischen, feierte damit nach dem Profi-Debüt im DFB-Pokal auch seine Premiere auf internationalem Parkett. JONAS AUSTERMANN