Ein Schumacher sitzt ab der nächsten Saison wieder in einem Formel-1-Cockpit. Diese Nachricht könnte der – besonders in Deutschland – kriselnden Königsklasse neues Leben einhauchen. Zu groß sind die Geschichten, die sich mit Mick Schumacher in den kommenden Wochen, Monaten, Jahren erzählen lassen. Kann er sportlich aus dem schier übergroßen Schatten seines Vaters treten? Womöglich verhindern, dass Lewis Hamilton ihm auch noch die letzten Rekorde aus der Hand nimmt? Oder zerbricht er an den Erwartungen, die sich mit seinem Nachnamen und der Formel 1 automatisch ergeben?
Für Mick Schumacher ist sein F1-Debüt auch ein Stück Genugtuung. Vermuteten viele Beobachter hinter der Motorsport-Karriere des Schumi-Sprösslings anfangs nicht viel mehr als einen PR-Gag, zeigt sein Vertrag bei Haas, dass er als Rennfahrer ernst zu nehmen ist. Wahrscheinlich nicht mit so viel Talent gesegnet wie sein Vater, aber er bekommt sein Cockpit nicht geschenkt, sondern hat es sich in den letzten Jahren erarbeitet.
Nüchtern betrachtet bleibt ihm allerdings nicht viel Zeit, um die Formel 1 hierzulande wieder wach zu rütteln. Nächste Saison wird sehr wahrscheinlich kein deutscher Fahrer in einem Auto sitzen, das regelmäßig um Siege mitfahren kann, geschweige denn Weltmeister-Ambitionen hegen darf. Sebastian Vettel bei Aston Martin und Mick Schumacher bei Haas sind spannende Projekte, aber ohne sportliche Erfolge werden sie die Fans nicht euphorisieren. Zumal die Rennen ab der nächsten Saison nicht mehr im Free-TV zu sehen sein werden, sondern nur noch im Bezahlfernsehen bei Sky.
Michael Schumacher hatte zu Beginn seiner Karriere das Glück, sich schrittweise und ohne permanten Druck der Öffentlichkeit entwickeln zu können. Dieses Glück hat sein Sohn Mick nicht. Jeder Fahrfehler, jedes verpatzte Überholmanöver wird sofort bis ins kleinste Detail analysiert werden. Gepaart mit der Frage: Was hätte Michael Schumacher in dieser Situation gemacht? Mick muss sofort liefern. Sein Glück: Er kennt es nicht anders. Schon im Kart wurde er unentwegt mit seinem Vater verglichen. Und spätestens nach dem Ski-Unfall seines Vaters weiß Mick: es gibt Wichtigeres als die schnellste Rennrunde.
Womöglich ist genau das sein Erfolgsrezept.
Daniel.Mueksch@ovb.net