Ein (vor-?)letztes Topspiel

Charaktertest – für beide Teams

von Redaktion

HANNA RAIF

Fünf Spiele sind es noch. Fünf Mal die Schuhe binden. Fünf Mal den inneren Schweinehund überwinden. Fünf Mal 90 Minuten ackern. Am besten fünf Mal ein Tor mehr schießen als kassieren. Diese Denkweise ist vielleicht nicht profihaft, sie ist in diesem elendig langen Fußballjahr beim FC Bayern aber mehr als legitim. Man zählt im Alltag rückwärts – und ob die Kräfte noch für einen Extra-Kick beim letzten echten Highlight 2020 reichen, wird sich an diesem Wochenende zeigen.

Auf ein Gastspiel von RB Leipzig wird unter normalen Umständen hingefiebert, man freut sich beim Branchenführer auf dieses zweitwichtigste Duell im deutschen Vereinsfußball. Auch heuer hat Hansi Flick versucht, dem sportlich wertvollsten Spiel im Jahresendspurt alles unterzuordnen, seine Stars zu schonen, die Kräfte zu mobilisieren. Die Vorzeichen sind jedem bewusst: Ein Sieg – und ein Verfolger wäre schon mal auf fünf Punkte distanziert. Eine Niederlage – und Leipzig wäre vorne dran. Diese Brisanz – gepaart mit müden Beinen und Köpfen – macht das Topspiel des 10. Spieltags zur einem Charaktertest. Für die Bayern, aber genauso für Leipzig.

Man erinnert sich noch gut an die Winterpause der vergangenen Spielzeit, als RB gleich vier Punkte vor den drittplatzierten Bayern stand. Beim bisher letzten Aufeinandertreffen – dem 0:0 im Februar – waren die Münchner dann erst einen Zähler vorn. Am Ende der Saison aber waren es ganze 16, weil passiert war, was den vermeintlichen Herausforderern des Serien-Meisters immer passiert: Die Konstanz geht ihnen ab, während die Bayern aufholen und vorbeiziehen. Man kann sie vielleicht mal eine Halbserie lang ärgern, mehr aber nicht.

Die Hoffnung, dass das in dieser speziellen Spielzeit anders ist, lebt seit Wochen, obwohl sich der Schaden der Dauerbelastung beim Triple-Sieger zumindest punktetechnisch bisher in Grenzen hält. Leipzig hat nun die Chance, der Liga zu zeigen, dass sie berechtigt ist. Da sein, wenn die Bayern schwächeln – das wollen RB und der BVB ja immer. In Zusammenarbeit könnte es an diesem Wochenende – bei einem RB-Sieg, einem Erfolg von Dortmund in Frankfurt und womöglich noch einem von Leverkusen auf Schalke – gelingen, die Spitze spannend zu halten. Das würde nicht nur dem Wettbewerb guttun, sondern könnte auch das schwindende Interesse der Fans wiederbeleben. Die würden dann nämlich auf das ultimativ letzte Highlight 2020 hinfiebern: Am 19. Dezember empfängt Leverkusen die Bayern.

Hanna.Raif@ovb.net

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