Kolding – Den Tagesschau-Versprecher nahm Alexander Koke ziemlich cool zur Kenntnis. „Ob Koke oder Kolke – das macht für mich keinen Unterschied“, sagte der Interimschef der deutschen Handball-Frauen, lachte und lenkte den Blick dann lieber aufs große Ganze: „Für den Frauenhandball ist diese Aufmerksamkeit natürlich toll. Das ist richtig schön.“
Die große mediale Bühne inklusive Spielbericht in Deutschlands bekanntester Nachrichtensendung war für Koke nach dem perfekten EM-Start gegen Rumänien (22:19), seiner rundum gelungenen Premiere als Bundestrainer-Vertreter, aber nur eine Randnotiz. Gegen Rekord-Europameister und Topfavorit Norwegen will das deutsche Team an diesem Samstag (18.15 Uhr/Sportdeutschland.TV) unbedingt nachlegen – und sich so eine perfekte Ausgangslage für die Hauptrunde schaffen.
„Wenn wir weiter mit Mut auftreten, haben wir die Möglichkeit, für eine Überraschung zu sorgen“, sagte Koke. Norwegen, das zum Auftakt Polen mit 35:22 deklassiert hatte, spiele einen „fantastischen Tempo-Handball“. Auch deswegen warnte Rückraumspielerin Julia Maidhof: „Wir hatten viele Fehlwürfe, das sollten wir in den nächsten Spielen verbessern.“
Nach turbulenten Tagen ohne Bundestrainer Henk Groener und mit den Corona-Sorgen vor dem Rumänien-Spiel herrschte am Freitag eine gelöste Stimmung im deutschen Lager. Koke lobte seine Mannschaft für den „fokussierten“ und „leidenschaftlichen“ Turnierbeginn gegen den EM-Vierten und gab sich für den weiteren Verlauf „positiv gestimmt. Wir können ganz befreit in das Norwegen-Spiel gehen.“
Befreit wirkt dieser Tage vor allem Koke. Durch die Covid-19-Erkrankung von Groener, der gestern endlich den negativen Test und damit seine Einreiseerlaubnis nach Dänemark erhielt, ist der 41-Jährige, den vor dem Turnier höchstens Insider kannten, praktisch über Nacht in die Chefrolle geschlüpft – und macht seinen Job gut. Abgeklärt im Coaching, souverän in der Ansprache, frisch und unaufgeregt in der Analyse. Und doch: Nach einem zweiten Negativtest wird Groener übernehmen.
„Ich lerne extrem viel hier“, sagt der frühere Bundesliga-Spieler bescheiden. Natürlich freue er sich über jede Partie, die er in Hauptverantwortung leiten darf. Doch sobald Groener endgültig grünes Licht bekommt, sagt Koke, trete er „gerne wieder in die zweite Reihe. Das wird noch mal einen Energieschub geben, wenn Henk zurückkommt.“
Bereits zuvor wurde Groener mit engem Draht in die Niederlande bestmöglich eingebunden und beispielsweise per Video zu Teambesprechungen zugeschaltet. Am Tag des Auftaktspiels schickte er Koke eine Glücksbringer-SMS, hinterher gab es ein herzliches Telefonat mit dem Trainerteam. „Er hat sich gefreut, dass wir mit zwei Punkten gestartet sind“, berichtete Koke. sid