Es gibt in der Tat Schlimmeres, als eine Absage zu bekommen, ein knallhartes Nein. Schmerzt natürlich. Aber ist es nicht viel schlimmer, einfach nur ignoriert zu werden?
So muss sich der Sport gerade fühlen. Neulich, als die Ministerpräsidenten mal wieder mit der Bundeskanzlerin die neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise ausgehandelt haben, soll das Wort Sport nicht ein einziges Mal gefallen sein. Und das ist, gelinde gesagt, ziemlich frustrierend. Oder eine schallende Ohrfeige für alle, auch die vielen Ehrenamtlichen, die sich im Sport engagieren.
Gerade sie, die im Sport gelernt haben, Rücksicht auf andere zu nehmen, Krisen zu meistern, Regeln zu respektieren, wären ja durchaus bereit, Zugeständnisse zu machen, wäre nur alles klar und nachvollziehbar. Natürlich muss der Sport, wie derzeit alle in unserer Gesellschaft, empfindliche Einschränkungen hinnehmen, die Frage ist halt, ob man wirklich gleich alles dichtmachen muss. Kinder, die vormittags zusammen in einem stickigen Klassenzimmer sitzen, dürfen am Nachmittag draußen nicht mehr gemeinsam Fußball spielen. Sportstätten, auch im Freien, werden geschlossen, schlimmer noch, es wird nicht mal darüber diskutiert. Zu unwichtig.
Der Bayerische Landes-Sportverband hat zuletzt wieder eindringlich an die Politik appelliert, rechnet bis Ende des Jahres mit einem Rückgang von mehr als 100 000, vor allem jungen Vereinsmitgliedern, der Bayerische Fußball-Verband fordert, wenigstens den Trainingsbetrieb für Kinder und Jugendliche unter freiem Himmel und Einhaltung strengster Hygieneregeln zuzulassen. Statt einer Antwort der nächste Tiefschlag für den Sport: Alpines Skifahren soll in diesem Winter unmöglich gemacht werden. Was heißt, die verlängerten Weihnachtsferien werden die Kids, die sonst bei freiem Fahren, in Kursen und Trainingseinheiten ihrer Skiclubs raus in die Natur kommen, vorwiegend daheim vor Smartphone, Laptop und Konsole abhängen. Weil die Entscheidungsträger Skifahren gleichsetzen mit exzessivem Party-Tourismus, Après-Ski in miefigen Hütten und ein neues Ischgl als Menetekel an die Wand malen.
All die Argumente, die für ein Sporttreiben auch und gerade in Pandemiezeiten sprechen (Stärkung des Immunsystems), werden ignoriert, genauso die vielen Vorkehrungen, die der Sport für möglichst infektionsfreie Bewegung geschaffen hat. Dabei sehen Mediziner eine langfristige Gefahr für die Volksgesundheit eher darin, dass Heranwachsende noch lethargischer, unsportlicher und träger werden, was dann in Übergewicht, Schlaganfall, Diabetes und Bluthochdruck münden könne. Nun bangen Sportvereine um ihre Existenz, Trainer, die Nachwuchs für den Spitzensport ausbilden, bricht damit die Masse weg, was in ein paar Jahren in der Spitze zu deutlich weniger Medaillengewinnern führen werde.
Ausbleibende Titel aber sind ja zu verkraften, es geht vor allem darum, Kindern und Jugendlichen in digitalen Zeiten Spaß an der Bewegung zu vermitteln und zu erhalten. Weil Sport die gesunde Entwicklung fördert. Haben das nicht auch die Politiker immer betont, zumindest in Sonntagsreden? Wie ernst ihnen das war, zeigen sie jetzt, da sie alles verhindern, was die Jugend animieren könnte, etwas für ihre körperliche, aber auch mentale Fitness, für Emotion und Empathie zu tun.
Es ist gerade mal ein Jahr her, da hat sich Markus Söder über die Grünen als „Verbotspartei“ mokiert. Nun ist er es, der alles, was Freude macht, verhindert, alle Appelle verhallen lassen. Oder einfach ignoriert. Warum? Fast ließe sich vermuten, Sport sei für Politiker nur wichtig, um sich in der Ehrenloge im Glanz deutscher Triumphe zu sonnen.
Tausende von Kindern und Jugendlichen werden durch die Corona-Maßnahmen vor die Spielkonsolen getrieben