München – Günther Steiner (55) ist ein großer Coup gelungen: Der Teamchef des Formel-1-Rennstalls Haas hat für die kommende Saison Mick Schumacher (21) verpflichtet, den Sohn des Rekordweltmeisters Michael Schumacher. Dem Team beschert die spektakuläre Personalie große Aufmerksamkeit. Steiner spricht im Interview über seine Erwartungen an Mick – und über die Verantwortung des Teams für den jungen Schumacher.
Herr Steiner, Sie sind jetzt quasi ein Superstar in Deutschland, weil Sie Mick Schumacher ins Team geholt haben. Sind Sie sich dessen bewusst?
(lacht) Das ist nicht gut. Dann kennen mich jetzt leider die Behörden. Ich habe nämlich gerade aus Deutschland einen Strafzettel bekommen. Ich bin wohl etwas zu schnell gefahren. – Um auf die Frage zurückzukommen: Ich bin mir der Verantwortung bewusst. Ich weiß auch, was es bedeutet, mit jungen Fahrern wie Mick Schumacher und Nikita Mazepin umzugehen. Es wird Höhen und Tiefen geben. Aber wenn man man die Möglichkeit hat, so etwas zu machen, sollte man die Chance ergreifen. Ich mag keine Leute, die aus Vorsicht immer Nein sagen.
Was bringt die Verpflichtung von Mick Schumacher beiden Seiten?
Wir sind nicht gerade das beste Team im Moment. Aber für Mick ist das gut so. So haben wir die Möglichkeit, gemeinsam zu wachsen. Er weiß, wo er dran ist. Und er hat am Anfang nicht so viel Druck. Hätten wir ein superschnelles Auto, mit dem man vorne aus eigener Kraft mitfahren könnte, würde jeder von einem Schumacher gleich Siege erwarten. Bei uns ist das nicht so. Das heißt, er hat mehr Zeit und Ruhe sich zu verbessern und zu lernen. Dazu kommt: 2021 ist für uns Übergangsjahr, weil sich das Reglement ja erst 2022 drastisch ändert. Deshalb wollte ich Fahrer haben, die 2021 lernen und 2022 dann bereit sind. 2021 müssen wir dafür viel Aufbauarbeit leisten. Technisch, teammäßig und auch bei den Piloten. Ich nehme die Verantwortung sehr ernst. Es wird sicher auch Kritik geben, aber das nehme ich hin. Ich mag sowieso keine einfachen Sachen, sondern liebe die Herausforderung.
Sie haben das Umfeld von Mick Schumacher gelobt. Mit wem haben Sie die Vertragsgespräche geführt?
Hauptsächlich mit Sabine Kehm, die ja schon lange für die Familie Schumacher tätig ist, und mit seinen Anwälten. Ich habe an den Fragen, die kamen, gemerkt, das es da ein sehr professionelles Umfeld gibt.
Sind Sie stolz, dass Sie künftig mit einem Schumacher arbeiten?
Das ganze Team ist stolz darauf. Ich habe Leute im Team, die haben schon mit Micks Vater gearbeitet. Die haben vor Freude richtig feuchte Augen bekommen. Aber wir wissen auch, dass die Verpflichtung von Mick nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen bedeutet, sondern auch extrem viel Verantwortung. Die Freude überwiegt jedoch eindeutig. Im übrigen ist es auch für die Formel 1 gut: Michael ist eine Legende, jetzt ist der Sohn da. Das sind doch genau die Geschichten, die alle brauchen. Aber eines will ich klarstellen: Mick hat den Job nicht wegen des Namens bekommen, sondern wegen seiner Leistungen. Selbst wenn er Mick Müller heißen würde, hätten wir und andere ihn auf dem Zettel gehabt. Zusammenfassend möchte ich sagen: Ich finde die Situation extrem cool.
Welchen Eindruck hat Mick bisher auf Sie gemacht?
Er ist sehr fokussiert. Er will den Erfolg mit allem, was er hat. Ich freue mich, weil ich gesehen habe, wie sehr er sich gefreut hat, als er die Nachricht bekam, dass er zu uns kommt.
Konnten Sie bei der Fahrerwahl selbst entscheiden oder hatte sein Hauptarbeitgeber Ferrari Mitspracherecht?
Wir haben angefangen zu reden, als ich die Entscheidung getroffen hatte, mit jungen Fahrern arbeiten zu wollen. Irgendwann ging es bei den Ferrari-Junioren nur noch um ihn, weil er in der Formel 2 vorne war. Wir wollten den besten haben. Und wenn der noch Schumacher heißt: Umso besser.
Interview: Ralf Bach