Bereit für den nächsten Schritt

von Redaktion

In Königs Wusterhausen wollen Herrschings Volleyballer heute endlich ins Pokalfinale einziehen

VON PATRICK REICHELT UND DIRK SCHIFFNER

München – Nun gut, das Schicksal hat es mit den Herrschinger Volleyballern auch diesmal nicht gut gemeint. Zum vierten Mal in den vergangenen fünf Jahren steht man im Pokal unter den letzten Vier. Zum vierten Mal muss man auswärts ran. Und doch tut man es diesmal in der Hoffnung, dass die Dinge anders laufen könnten. Dass drei Halbfinalpleiten (2017, 2018, 2020) vielleicht doch das erste Finale folgen könnte. Nach zweimal Berlin und einmal Bühl sind nun heute (20.15 Uhr/Sport1) die Netzhoppers Königs Wusterhausen der letzte Stolperstein. Und damit ein Gegner, der ungefähr die Herrschinger Kragenweite hat, wie auch das Ligaduell Mitte November andeutete, dass der selbst ernannte „Geilste Club der Welt“ in Potsdam hauchdünn mit 3:2 für sich entschied. Klar, dass Trainer Max Hauser das Wiedersehen erst einmal zum „vorläufigen Saisonhighlight“ ausruft.

Ein Highlight, das im Herrschinger Denken so oder so nicht mehr als eine Zwischenstation ist. Auch Geschäftsführer Fritz Frömming lässt daran keine Zweifel. „Wir machen das nicht, um auf Dauer irgendwo im Mittelfeld zu spielen“, sagte er, „ich will mal in ein Finale, vielleicht Meister werden, international spielen.“

Und nicht zuletzt auch in diesem Jahr lässt das Team um Ausnahme-Libero Ferdinand Tille erahnen, dass derlei Ideen keine Utopie sein müssen. In der Bundesliga rangiert man auf Platz vier – selbst Serienmeister Berlin ist als Spitzenreiter nur drei Punkte voraus. Und wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass die Herrschinger nun in genau jener Zeit zum nächsten Schritt ansetzen, in der im Sport eigentlich Überlebenskampf ausgerufen wurde. Denn das hat den Verein seit dem Bundesliga-Aufstieg 2014 ausgezeichnet. Männer mit Herzblut wie Frömming oder der Ur-Herrschinger Hauser haben Wege gefunden, um sich auch mit vergleichsweise kleinen Mitteln auf höchster Bühne zu behaupten.

Man hat ein stimmiges Konzept. Und man hat Sponsoren, die dem GCDW auch in der Krise weitgehend treu blieben. Weil der Verein grundsätzlich nicht mit Playoff-Teilnahmen kalkuliert, blieb der Schaden des Abbruchs der Vorsaison einen Spieltag vor Hauptrundenende überschaubar. In der laufenden Saison gleichen die Gelder aus dem Hilfspaket der Bundesregierung die, ohnehin nur auf 20% taxierten Zuschauereinnahmen aus. Womit Frömming und Kollegen ungefähr mit dem Vorjahresetat von circa 600 000 Euro wirtschaften können.

So ist es auch zum ersten Mal gelungen, den Kader der Vorsaison weitgehend zusammenzuhalten. Eine Mannschaft, die gut genug ist, um auch die Topteams wie Berlin, Friedrichshafen oder Frankfurt zu ärgern. „Wir haben halt nicht die Breite wie die Topteams“, sagte Frömming, „wenn es Verletzte gibt, dann haben wir ein Problem.“

Und eigentlich hatten die Herrschinger ja alles getan, dass der Schritt nach vorne größer ausfällt. Mit den Basketballern des FC Bayern einigte man sich auf den schrittweisen Einzug in den weitaus besser zu vermarktenden Audi Dome. Für den Testlauf in den Playoffs der Vorsaison hätte man nach vorsichtigen Schätzungen zumindest 4000 Tickets absetzen können. Was Hoffnung macht für die Zeit nach Corona. Man hätte sich sogar mit dem Gipfel gegen Berlin am 20.12. an die Bühne in München herangewagt, doch die Liga verweigerte das Ersuchen, die Partie zum Fernsehspiel zu erklären.

Fürs nächste Mal könnte der Einzug ins Pokalfinale gewiss helfen.

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