Wie Aladin auf dem Teppich

von Redaktion

Die DSV-Adler fühlen sich vor der Skiflug-WM in der Angreifer-Rolle wohl

VON PATRICK REICHELT

München – Im Springerhotel Kompas in Kranjska Gora ist Markus Eisenbichler schon jetzt allgegenwärtig. Ein Poster des deutschen Vorfliegers ziert einen größeren Teil der Zimmer. Man könnte das auch als wenig dezenten Hinweis verstehen: Wer bei der heute mit der Qualifikation beginnenden Skiflug-Weltmeisterschaft in Planica die Medaillen anvisieren will, der muss vor allem an Markus Eisenbichler vorbei. Was der Siegsdorfer, der 2019 auf dem slowenischen Riesenbakken seinen ersten Weltcupsieg eingefolgen hatte, auch selbst so sieht: „Wenn ich meine Sachen beinander habe, dann wird es für jeden ziemlich schwer, mich zu schlagen.“

Da ändert auch die Grenzerfahrung aus dem Weltcup von Nischni Tagil nichts. Am ersten Tag in Russland hatte der Wind Eisenbichler aus der Pole Position und damit auch aus dem gelben Trikot des Weltcupführenden geblasen. Vor allem sein Trainer Stefan Horngacher findet darin sogar viel Gutes. „Das ist vielleicht gar nicht so schlecht, dass wir nicht in der absoluten Favoritenrolle sind.“ Die ist eher bei den Norwegern um den neuen Weltcup-Primus Halvor Egner Granerud zu verorten, die in Nischni Tagil gleich fünf der sechs möglichen Podestplätze einsprangen.

Aber was heißt das schon, wenn es nun auf die Schanze der Flieger geht? Wo die Springer mit Geschwindigkeiten weit jenseits der 100 Stundenkilometer in Richtung Tal rauschen. In acht, neun Sekunden Luftfahrt, die sich für Eisenbichler anfühlen wie „Aladin auf dem fliegenden Teppich, nur dass es bei dem weiter geht.“

Beim Fliegen geht es vor allem auch darum, loszulassen, störende Gedanken auszublenden. Und da glaubt man, beim Deutschen Skiverband , dass man den Norwegern ein ganz gutes Paket entgegen halten kann. Eisenbichler zeigte schon an Tag zwei in Nischni Tagil, dass er seinen Absturz verdaut hat. Der zuletzt zu seiner schwangeren Frau gereiste Karl Geiger kam zwar noch nicht als Vater, dafür aber mit ziemlich guter Laune zur Mannschaft zurück. Und dazu hat man in Routinier Pius Paschke einen dritten Fxistarter, der sich zuletzt immer näher an die Weltspitze herangearbeitet hat. Der vierte Starter wird dann nach den Eindrücken des heutigen Trainings zwischen Severin Freund, Constantin Schmid und Martin Hamann ermittelt.

Wobei es bei der ungewohnt früh im Jahr platzierten Weitenjagd diesmal auch darum gehen wird, wer mit den Umständen am besten zurecht kommt. Das Feld der Springer ist nicht zuletzt nach den neun Coronafällen im österreichischen Team schwer gerupft. Zumindest Eisenbichler kratzt das vergleichsweise wenig: „Wenn es mich erwischt hätte, dann wäre es denen wahrscheinlich auch herzlich wurscht.“ Sprach‘s, und schloss einen Satz an, den man gut als Breitseite gegen die Auswahl aus dem Nachbarland verstehen könnte. „Wenn sich Leute nicht so an die Vorgaben halten, dann ist so etwas irgendwo selbst verschuldet“, sagte er.

Dergleichen will man sich bei den Deutschen nicht nachsagen lassen. Beim DSV bleibt man auch in Planica seinem Hygienekonzept treu, das in seiner Konsequenz noch deutlich über die Vorgaben der Veranstalter hinausgeht. Allem voran, durch Abstand halten und Leben in Einzelzimmern, wodurch im Falle einer Infektion wenigstens ein Übergreifen auf weitere Teammitglieder zumindest unwahrscheinlich ist. Und zumindest Markus Eisenbichler ist in Planica ja trotzdem allgegenwärtig – und wenn es auch nur auf dem Poster ist.

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