In seinen Träumen, immerhin, haben Dieter Hecking die Treffer nicht verfolgt. Vor Augen aber hat sie der ehemalige Coach des VfL Wolfsburg heute noch, und zwar alle fünf. „Besonders der Seitfallzieher ist hängen geblieben“, sagt der 56-Jährige. Er meint das 5:1, also den Schlusspunkt dieses denkwürdigen Tages in der Allianz Arena, von dem Hecking sich sicher ist: „So etwas wird man als Trainer in seiner Karriere nur einmal erleben.“
Hecking hat es erlebt, am 22. September 2015, um genau zu sein. An der Seitenlinie des FC Bayern stand damals, als Robert Lewandowski den VfL im Alleingang besiegte und fünf Tore in exakt 8:59 Minuten schoss, Pep Guardiola. Selbst der Spanier schlug irgendwann die Hände über dem Kopf zusammen, so unglaublich war all das, was auf dem Feld passierte. Hecking flüchtete sich in Galgenhumor. Über seinen Satz – „ein Weltklassestürmer hat fünf Mal aufs Tor geschossen und hätte sieben Mal treffen müssen“ – sagt er heute: „Das sollte meinen Respekt ausdrücken. Er hat die Extraklasse gezeigt, die er schon damals hatte.“
Mehr als fünf Jahre ist der Rekordtag von Lewandowski nun her, Hecking wird freilich heute noch drauf angesprochen. „Auch nach meiner Karriere“, sagt der Sportvorstand des 1. FC Nürnberg, „wird dieser Tag noch fester Bestandteil in meinen Erzählungen sein.“ Lewandowski geht es da ähnlich, obwohl er erst ein halbes Jahrzehnt später vor dem größten persönlichen Triumph steht. Hecking wünscht ihm, „dass er die Wahl in diesem Jahr gewinnt, denn er ist auf konstant hohem Niveau – und das nicht nur in der Bundesliga, sondern auch international“.
Hecking weiß, wovon er spricht, denn er verfolgt den Werdegang seines Schrecks genau. Und ab und an, da hat er diesen Seitfallzieher plötzlich wieder vor Augen. Er tat weh, sehr weh. hlr