München – Der Eishockey-Arbeitstag für einen Spieler des EHC München beginnt zuhause am Smartphone mit dem Öffnen einer App. Abfrage des Gesundheitszustands. „Wer sich schlecht fühlt“, sagt Kapitän Patrick Hager, „der kommt gar nicht erst zur Halle.“ Wem es okay geht, der muss dann am Eingang zum Olympia-Eissportzentrum die Temperatur messen lassen. Die Mannschaft ist auf mehrere Räume verteilt, die eine Kabine, in deren Mitte Ansprachen gehalten werden, gibt es somit nicht mehr. Und bis zum Betreten des Eises ist Maske zu tragen. Erst wenn die Kufen aufsetzen, ist Eishockey Eishockey. Seit viereinhalb Monaten in München im Training, ab Sonntag (14.30 Uhr) endlich auch im DEL-Spiel. Dann empfängt der EHC München die Augsburger Panther.
Ein Derby ohne den üblichen Sound einer vollen Halle. „Das wird die Herausforderung sein: sich emotional in die richtige Rolle zu bringen“, erklärt Patrick Hager. Im Eishockey könnten die Fans verhindern, dass Spieler nachlassen, „auch wenn die Beine schwer werden. Du darfst aber nicht in einen Rhythmus geraten, dass du ein Drittel verschläfst.“ Beim MagentaSport Cup hat der EHC München erlebt, dass auch ein Spiel gegen ein kleines Team wie Schwenningen verloren gehen kann. Weil in die verkürzte Saison weniger Partien passen, gewinnt jedes einzelne an Gewicht. Schließlich steht auch der Fall zu befürchten, „dass du sechs Spiele vor Schluss einen positiven Coronafall in den eigenen Reihen hast und nicht antreten kannst. Es wäre schwer, dann noch Punkte aufzuholen.“
Dass der EHC in die Not geraten könnte, keinen der oberen vier Plätze in der Süd-Gruppe zu belegen, davon ist allerdings nicht auszugehen. Mit dem Gewinn des MagentaSport Cup hat er eine Empfehlung für sich hinterlegt, und Kapitän Hager weiß um die Tiefe des Kaders; „Wir haben immer eine ausgeglichene Mannschaft, egal wie viele Spieler verletzt sind.“ NHL-Leihgabe Dominik Kahun wird nicht mehr für den EHC auflaufen, denn allmählich werden diese Spieler von ihren Clubs (bei Kahun sind es die Edmonton Oilers) zur Rückkehr nach Nordamerika aufgefordert, um durch den Quarantäneprozess zu gehen und für die Trainingscamps bereit zu sein. „Doch deswegen haben wir Kalle Kossila geholt“, sagt Don Jackson. Der Finne ( Toronto Marlies, AHL) bringt gemäß Scouting-Report einige von Kahuns Fähigkeiten (läuferisch stark, beweglich ) ein.
„Unsere Ziele“, sagt Jackson, „haben sich nicht geändert. Am Ende, keine Frage, wollen wir die Meisterschaft nach München zurückholen.“ Er selbst habe, versichert er, keine Sekunde daran gedacht, wegen der Corona-Ungewissheit aufzuhören. „Ich erlebe eine phantastische Zeit in München“, sagt der 64-Jährige. Er bescheinigt dem Club, einen guten Job gemacht zu haben beim Herrichten der Olympia-Eishalle: „Ich genieße das Bild unserer Fans in der Nordkurve. Auch wenn es leider nur ein Gemälde ist.“ Doch es hilft Jackson, seinen Plan zu verfolgen, „dass wir Business as usual machen. Alles beginnt, normal zu werden.“ Zunächst wird es sogar etwas annehmlicher, da nur innerhalb der Süd-Gruppe gespielt wird. „Das Reisen wird minimiert, wir werden fast jede Nacht zuhause sein.“
Auch in München atmet man durch, dass die DEL nun spielen kann. Zwar war das Projekt EHC durch seinen Besitzer Red Bull zu jeder Zeit gesichert, „doch auch wir mussten Zugeständnisse machen“, sagt Patrick Hager. Und ist froh, dass alle Vereine „individuelle Lösungen gefunden haben, denn wenn es nur drei oder vier gewesen wären, hätten wir keine Liga zum Spielen gehabt.“ GÜNTER KLEIN