Doll fehlt das Vertrauen in seine Ski

von Redaktion

Der Biathlet weist noch einmal auf die Materialprobleme im deutschen Team hin

Hochfilzen – Benedikt Doll gönnte sich im Winterwunderland Tirol keine Pause. Der 30-Jährige sprühte im Neuschnee von Hochfilzen nur so vor Tatendrang – und das nicht in Sachen eigener Form. Die Material-Frage trieb den Schwarzwälder um. „Es ist offensichtlich, dass von unseren Skiern zu den Skiern anderer Nationen ein deutlicher Unterschied vorhanden ist“, stellte er vor den umfassenden Skitests angefressen fest. Und legte damit stellvertretend für die deutschen Biathleten den Finger in die Wunde.

Die Schweden hätten „auffällig gutes Material“ – und zwar „in jedem Rennen“. Gleiches gelte für die Norweger und Franzosen. Nur bei den Deutschen sei es „eine Lotterie“, so Doll: „Ich kann mich nicht mit dem Vertrauen an den Start stellen, dass ich einen guten Ski habe.“

Vor Teil zwei des Weltcups von Hochfilzen herrscht im deutschen Team Material-Alarm, der DSV kämpft um den Anschluss. Mehr als deutlich wurde das trotz des eigentlich starken 3. Platzes der Männerstaffel am vergangenen Sonntag. Denn der in Führung liegende Doll blieb gegenüber seinen Kontrahenten quasi im Schnee stecken.

Es mache „keinen Spaß“, er fühle sich „wehrlos“, das grenze an „Körperverletzung“, sagte Doll unmittelbar nach dem Rennen im ZDF-Interview. Er sei es „leid, das immer schönreden zu müssen“, platzte es aus ihm heraus – derart offene Kritik an den eigenen Technikern gibt es im Biathlon-Zirkus selten.

Auch wenn Doll die Wogen in einem siebenminütigen Instagram-Video zu glätten versuchte, die Kernbotschaft blieb auch dort erhalten. Das deutsche Team habe in Sachen Material „Defizite“, so Doll, die bei ihm noch deutlicher zum Vorschein kommen würden als bei seinen Teamkollegen. Zuletzt jedenfalls habe er sich aufgrund der Materialprobleme nicht konkurrenzfähig gefühlt. „Es ist auf der Strecke einfach sehr deprimierend, wenn man merkt: Die anderen spielen mit mir, ziehen einfach davon und ich habe keine Chance hinterzulaufen. Das lässt einen hilflos zurück. Das ärgert und frustriert einen“, sagte der Schwarzwälder. Sein Fazit: „Wir müssen an der Präparation arbeiten.“

Doll merkte aber auch an, er sei optimistisch, „dass wir das lösen. Den Willen und den Ehrgeiz, das zu verbessern, haben alle in unserem Team.“ Am besten schon bis zum Sprint der Herren am Donnerstag (14.15 Uhr/ARD und Eurosport). Denn dort wollen die DSV-Athleten um Rückkehrer Arnd Peiffer schon wieder um „Podiums- und Top-Ten-Platzierungen mitkämpfen“, so Bundestrainer Mark Kirchner.  sid

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