Saisonauftakt der DEL

Im Fernsehen besser als Fußball

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Monatelang hat die Deutsche Eishockey Liga auf ihren Start hingearbeitet, ihn mehrmals verschoben, seit gut einem Monat steht nun der 17. Dezember im Kalender. Das hat aufgrund jüngster pandemischer Entwicklungen Anlass zu Typisch-deutsches-Eishockey-Witzeleien gegeben: Klar, dass die anfangen am Tag, nach dem in Deutschland ein harter Lockdown in Kraft tritt.

Ja, das ist eine Auffälligkeit – aber vielleicht auch ein Glück. Denn wenn jeder seine Kontakte reduziert, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus von außen in die Kabinen getragen und der Spielbetrieb gefährdet und ab absurdum geführt wird. DEL2 und Oberliga preschten mit ihrem Start im November vor und erwischten genau die Phase der unkontrollierten Ausbreitung. Die Clubs regeln die Lage untereinander noch ganz gut, sie passen den Spielplan spontan an, was jetzt ja geht, weil man auf Zuschauer keine Rücksicht nehmen muss – denn es gibt sie nicht. Nur an den Bildschirmen.

Und womöglich schafft es die DEL, als Fernsehsport ein wenig voranzukommen. Ihre Idee für diese Ausnahmesaison ist nicht schlecht. Sie übernimmt vom Fußball das Prinzip der Dauerpräsenz und stückelt ihre Spieltage. Der Montag bleibt frei, doch von Dienstag bis Sonntag ist immer Eishockey im Angebot.

Im leeren Stadion wird man – Reporter, die schon ein paar Coronaspiele miterlebt haben, werden es bestätigen – nicht berauscht von Eishockey ohne die Interaktion mit den Rängen. Doch am Bildschirm kommt Eishockey besser rüber als der Geisterfußball vor hoch aufragenden verwaisten Tribünenlandschaften, unterlegt vom Hall der Stimmen. Die NHL hat Standards gesetzt mit der TV-Inszenierung ihrer Playoffs im August und September. Auch die deutschen Übertragungen sind mittlerweile ganz ordentlich.

Wenn der Fußball seine Spielberechtigung in einer Katastrophensituation daraus ableitet, dass er willkommene Zerstreuung bietet, darf das Eishockey auch so argumentieren. Und gerne seine spezielle Geschichte einbringen: Dass die Spieler auf bis zu 60 Prozent ihres Gehalts verzichten. Viele landen auf dem Niveau durchschnittlicher Löhne. Sie arbeiten wie du und ich.

Guenter.Klein@ovb.net

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