Tom Starke muss lachen, als es die Geschichte erzählt, aber es war halt so. Beim ersten Mal, sagt der ehemalige Torwart und heutige Trainer des FC Bayern, dachten die Mitspieler: „Will der nicht so lange an der Schlange stehen und fängt deswegen hinten an?“ Robert Lewandowski hatte sich einen Nachtisch genommen, bevor das Hauptgericht kam, dann aß er die Vorspeise. Mit kürzerer Wartezeit allerdings hatte das nichts zu tun. Vielmehr, sagt Starke, sieht man an diesem Detail – erst Kohlenhydrate, am Schluss Fette –, „dass er in Sachen Professionalität in der obersten Liga spielt“.
Lewandowski ist ein Vollblut-Profi, das fängt bei der Ernährung an, geht über das richtige Maß an Schlaf und endet in der täglichen Trainingsarbeit. Starke kann davon viel berichten, denn er war nicht nur vier Jahre lang Kollege, sondern als Torhüter direkter Gegenspieler. „Nach dem Training“, erzählt der 39-Jährige, „habe ich noch viele Sonderschichten mit ihm eingelegt, und sein Anspruch war immer: 100 Prozent Treffer!“ Starke sagt: „Ging mal einer an den Pfosten oder ich habe einen gehalten, war er komplett unzufrieden.“ Jeden Fehlschuss hat der Pole genau analysiert. „Falsche Schusshaltung? Falscher Anlauf? Er wollte immer Perfektionist sein – und das ist, was ihn ausmacht.“
Starke hat Lewandowskis Weg vom „Topspieler, der mit allen Fähigkeiten ausgestattet ist“, zur „absoluten Weltklasse“ miterlebt. Neben der gelebten Professionalität sieht er für diese Entwicklung einen weiteren wichtigen Grund. „Er hat im Laufe der Zeit verinnerlicht, dass man die Erfolge nur als Mannschaft erreichen kann.“ Und gemerkt: „Wenn eine Mannschaft erfolgreich ist, kann man als Einzelner noch mehr glänzen.“ Stürmer sind wie Torhüter gerne mit „einem Schuss Egoismus“ belegt, aber Lewandowski hat sich entscheidend gebessert: „Er geht auf seine Mitspieler zu, übernimmt nun Verantwortung fürs große Ganze.“
Das sieht man auch vor dem Tor, wo er einst eigennützige Nationalspieler gerne mal einen Pass spielt. Trotzdem, sagt Starke lachend, wünscht man sich als Keeper, wenn Lewandowski naht, „einen anderen Gegner oder halt Abseits“. Eiskalt sei er vor dem Tor, „er kann links wie rechts schießen“. Ein Tausendsassa, auch neben dem Feld?
Nun ja. Feiern, Alkohol, Exzesse, das ist nichts für Lewandowski. Aber Starke ist sich sicher: „Gewinnt Lewi, lässt er sich nicht lumpen.“ Ein Essen fürs Team wird drin sein. Nachspeise gibt’s halt zuerst. hlr