Franciszek, kurz Franz, Smuda (72) brauchte genau eine halbe Stunde, um zu erkennen, was da für ein Talent vor seinen Augen spielte. 2008 war das: Der spätere Trainer von Jahn Regensburg war beim polnischen Erstligisten Lech Posen unter Vertrag und schaute in der zweiten Liga vorbei – Znicz Pruszkow gegen Polonia Warschau. Bei Pruskow stürmte ein großgewachsener, eher schlaksiger Typ, 19 Jahre alt. Sein Name: Robert Lewandowski.
„Generell schaue ich mir immer das ganze Spiel eines interessanten Spielers an, bei Robert habe ich aber nur eine halbe Stunde geschaut“, erzählt Smuda. Er war vollkommen von Lewandowskis Fähigkeiten überzeugt, wollte das aber nicht zeigen. „Wenn ich die ganzen 90 Minuten angeschaut hätte, wäre die Ablösesumme nur gestiegen“, erklärt Smuda und lacht. Pruskows Präsident fragte ganz irritiert nach, warum Smuda denn schon gehe. Die Antwort: „Hier gibt es nichts zu sehen.“
In Wahrheit informierte Posens Coach gleich seinen Präsidenten und trug ihm auf, das Geld für Lewandowski zusammen zu sammeln. „Daran gab es für mich keinen Zweifel“, sagt Smuda. „Er konnte seine Gegner ausdribbeln, hatte den Riecher eines echten Torjägers und ist auf den ersten zwei, drei Metern explodiert.“ Posen schlug im Sommer 2008 zu, zahlte läppische 380 000 Euro für Lewandowski. Und der gab sich anfangs ganz still und bescheiden. „Er hat wenig erzählt und viel gearbeitet“, sagt Smuda. Vor allem körperlich musste Lewandowski noch zulegen und lernen, den Ball unter Druck zu behaupten –heute fast unvorstellbar.
„Wir hatten einen kolumbianischen Abwehrspieler, ein echtes Kraftpaket, mit dem Robert nach jedem Training Mann gegen Mann gespielt hat“, erzählt sein Ex-Trainer. Außerdem empfahl er seinem Schützling, doch mal „den schönen Kraftraum“ aufzusuchen. Auf dem Platz lief es ohnehin rund: 41 Tore in 82 Spielen für Posen machten Lewandowski begehrt. 2010 verpflichtete Dortmund ihn für 4,75 Mio.
Smuda betreute Lewandowski nach der gemeinsamen Zeit in Posen auch noch drei Jahre als polnischer Nationaltrainer. Der 72-Jährige weiß: „Robert ist kein Typ, der Mineralwasser im Kopf hat. Die Bayern können beruhigt sein: Robert wird als Weltfußballer genauso hungrig sein wie davor.“ jau