Ein Derby, bei dem niemand pfeift

von Redaktion

Am Sonntag startet der EHC München in die DEL – Abhängig geworden von Dominik Kahun?

VON GÜNTER KLEIN

München – Mal käme die Gehässigkeit aus dem Norden („Bayerns größte Schande – AEV“), mal aus dem Süden („Salzburger Hure“). München – Augsburg im Eishockey war immer auch ein Trash-Talk-Wettbewerb der Fankurven. Diesen Sonntag (14.30 Uhr/MagentaSport) wird es nicht so sein. Der EHC München lässt in der alten Olympia-Eishalle zwar Stadionsprecher Stefan Schneider seinen Job tun und das Animationsmusikprogramm laufen, dennoch wird das Derby in relativer Stille stattfinden. Corona halt.

Zum Bedauern vor allem der Spieler. Sie mögen Matches, bei denen es um sie herum emotional zugeht. Patrick Hager, dem Kapitän des EHC, gefällt es sogar, „wenn 6000 Zuschauer pfeifen, wenn man in Augsburg einläuft. Dann braucht man keine weitere Motivation mehr.“ Eigentlich egal, ob in München oder 70 Kilometer weiter westlich in Augsburg gespielt wird – es kracht immer. Ob sie die fürs Derby übliche Betriebstemperatur aufbringen, müssen die Spieler erst noch herausfinden. In München soll ein über die Nordkurve gespanntes Bild von Fans die Mannschaften vor der optischen Trostlosigkeit nackten Betons bewahren.

Das Motto der Saison: Der EHC München hat zu der Saison, „in der alles anders ist“, einen Trailer gedreht. Der Vorschlag: „Machen wir das Beste daraus.“ Motivation: Man spiele „aus Leidenschaft und um Titel zu gewinnen“. Und auch wenn die Fans nicht vor Ort seien: „Wir spielen für Euch.“

Stimmung im Team: Spürbare Erleichterung, nachdem die Politik den Profisport beim harten Lockdown nicht ausbremste. Patrick Hager: „Man merkte in der Kabine: Es ist eine Superstimmung, seit klar ist, dass es losgeht. Jetzt liegt der volle Fokus auf dem Start. Und Augsburg wird auch brennen.“

Wie lief die Vorbereitung des EHC? Seit Anfang August sind die Münchner im Eistraining, seit September spielen sie einigermaßen regelmäßig. Inklusive des MagentaSport Cup ist der EHC auf 17 Vorbereitungsspiele (Gegner: von internationalem Format bis zum DEL2-Club) gekommen. 13 Mal gewannen die Münchner, vier Partien gingen verloren (Salzburg, Klagenfurt, Berlin, Schwenningen). In die lange Trainingsphase wurden einige Regenerationspausen eingebaut.

Wie fit sind die Augsburger Panther? Sie liefern das Gegenprogramm zum EHC. Bis 30. November waren die Spieler in Kurzarbeit. Einige von ihnen mieteten private Eiszeiten. „Eine Stunde drei gegen drei zu spielen ist mit strukturiertem Training aber nicht zu vergleichen“, sagt Panther-Verteidiger Henry Haase. Augsburg bestritt vier Testspiele gegen bayerische DEL-Konkurrenz (zweimal Ingolstadt, Straubing, München) – Bilanz: je zwei Siege und Niederlagen. Die Panther gehen mit nur fünf Importspielern in die Saison (München mit acht). Wenigstens konnte der AEV seinen Topspieler Drew LeBlanc halten. Der US-Amerikaner machte seine Vertragsunterschrift in Köln rückgängig, als dort Ex-Augsburg-Trainer Mike Stewart entlassen wurde.

Eine klare Sache für den EHC? Auf dem Papier spricht alles für die Münchner: Besserer Kader, vier Monate längere Vorbereitungszeit. „Es wäre aber eine Gefahr, es so zu nehmen“, sagt Patrick Hager, „Gerade zu Beginn können alle Mannschaften aus dem Vollen schöpfen,“

Wer überzeugte beim EHC bislang? Patrick Hager lobt zwei junge Verteidiger: „Nico Appendino hat sich in die Mannschaft eingefügt, Luca Zitterbart eine gute Vorbereitung bestritten.“ Auffallend auch der neue Offensivverteidiger Zach Redmond.

Gibt es Problemstellen beim EHC? Der langfristige Ausfall von Stammtorhüter Danny Aus den Birken ist nicht leicht zu verkraften, auch wenn Kevin Reich und Daniel Fiessinger solide Back-Ups sind. Vorerst fehlt auch Konrad Abeltshauser (Beinverletzung), er ist ebenfalls ein Schlüsselspieler.

Ist der EHC von Dominik Kahun abhängig geworden? Es war eine große Geschichte für den EHC, dass er seinen Trainingsgast aus der NHL, Dominik Kahun, dazu bewegen konnte, beim MagentaSport Cup aufzulaufen. Wie gut Kahun war, zeigen zwei Werte: Wenn er auf dem Eis stand (im Spiel fünf gegen fünf) und ein Tor fiel, war es in 78 Prozent der Fälle eines für München; Torschüsse während seiner Eiszeit lagen zu 62 Prozent auf Münchner Seite. Mit Kahun war der EHC erdrückend dominant. Mit einem Lächeln und mit Leichtigkeit führte er die Reihe mit Philip Gogulla und Frank Mauer an.

Nun ist Kahun weg, bereitet sich auf seinen neuen Job in Edmonton vor. Seine Stelle geht an den Finnen Kalle Kossila. Debüt am Sonntag im stillen Derby.

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