München – Um sich den Wert der Zahlen vor Augen zu führen, die der FC Bayern gestern in seinem Jahresabschluss der Corona-Saison 19/20 präsentierte, bedarf es nur eines Blicks nach Spanien.
Dort hatte der FC Barcelona unlängst bekannt gegeben, die Spielzeit mit 97 Millionen Euro Miesen zu beenden. Und die Bayern? Halten den Schaden zumindest in Grenzen. Der Pandemie zum Trotz konnte der Rekordmeister bei einem Konzernumsatz von 698 Millionen Euro einen Gewinn von 17 Millionen erwirtschaften, der nach Steuern bei 9,8 Millionen liegt.
Zum Vergleich: In der Vorsaison hatten die Münchner 750,4 Millionen umgesetzt, unter dem Strich blieben 52,5 Millionen an Gewinn. Kein Wunder also, dass Karl-Heinz Rummenigge die Bilanz angesichts der Einbußen als „positiv“ bewertete. „Ursache dafür sind nicht zuletzt die herausragenden Erfolge“, so der Vorstandsboss.
Rummenigge ist weiter tief besorgt über die finanzielle Lage der europäischen Fußball-Klubs. „Vom finanziellen Standpunkt ist die Situation für jeden schwierig, vor allem in Europa, wo die Gehälter höher sind, vor allem in den großen Clubs. Viele dieser Vereine galten vor einem Jahr als reich. Heute kann man fast sagen, dass sie verarmt sind“, sagte Rummenigge in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“.
Diese Probleme beträfen auch die deutschen Vereine – unter anderem wegen der neuen, geringer dotierten TV-Verträge. „Unsere Einnahmen sind um 20 Prozent gesunken. Die Klubs der Bundesliga haben derzeit 280 Millionen Euro weniger in der Tasche. Das ist eine enorme Summe“, sagte Rummenigge.
In Frankreich, wo um die Auszahlung der TV-Gelder gefeilscht wird, ist die Lage jedoch weitaus ernster. Geht es nach Bayerns Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen, so war die vergangene Saison nur ein Vorbote im Vergleich zu den Einbußen, die dem Rekordmeister nach der aktuellen Saison drohen: „Das laufende Geschäftsjahr wird deutlich stärker betroffen sein.
Denn wenn wir nun die komplette Saison ohne Zuschauer spielen müssen, reden wir von Umsatzeinschlägen im Konzern von eher 150 Millionen als 100 Millionen Euro, das sind 20 Prozent des Umsatzes“, so der stellvertretende Vorstandsboss. Es bleiben harte Zeiten. Auch für Bayern. lop