München – Weihnachten auf einem Aufstiegsplatz – so hatten sich die Löwen das vorgestellt nach ihrer Turbo-Aufholjagd gegen Mannheim (5:0) und Kaiserslautern (3:0). Gegen Wehen Wiesbaden, den Absteiger aus der 2. Liga, taten sich die Giesinger deutlich schwerer als zuletzt, doch auf eines ist beim neuen TSV 1860 Verlass. Aufgeben ist nicht. Nachdem Wehen bereits mit 2:0 vorne lag und die Vorentscheidung gegen den Pfosten setzte, schlugen die Löwen in der Schlussviertelstunde zurück. Sascha Mölders nach einem Freistoß und Lorenz Knöferl mit seiner ersten Ballberührung retteten ein kaum noch für möglich gehaltenes 2:2 (0:1). Und auch das Fest ist gerettet, denn mit dieser Moral dürfte für 1860 noch einiges drin sein im Kampf um die Aufstiegsplätze. „Mit den sieben Punkten nach der Englischen Woche sind wir zufrieden – genauso wie mit der kompletten Hinrunde bisher“, sagte Torhüter Marco Hiller: „Wir haben gezeigt, was wir können.“
Es dauerte allerdings ein Weilchen, bis dieses Können an einem kalten Giesinger Geisterspielabend sichtbar wurde. Mit dem zweiten Eckball nach 17 Minuten hatte Wehen die Partie in die gewünschte Richtung gelenkt. Marvin Ajani zirkelte den Ball scharf und mit Schnitt vors Löwen-Tor, wo die gesamte Deckung hilflos zusah, wie Ahmet Gürleyen aus Kurzdistanz einnickte. Ein Torwartfehler? „Einer löst sich aus dem Block und steht frei“, analysierte Hiller bei Magenta-TV: „Ist ’ne eklige Situation für einen Torhüter.“
Löwen-Chancen? Gab es auch, aber erst spät in der ersten Halbzeit. Mölders verzog ungewohnt kläglich (28.), Rückkehrer Dennis Dressel versuchte es mit Gewalt (33.). Wie man es besser macht, zeigten die Hessen kurz nach der Pause. Ein Konter wie auf dem Reißbrett (52., Prokop). Michael Köllner hatte davor gewarnt, doch als Wehen später den Pfosten traf, keimte im 1860-Coach neue Hoffnung: „Wehen muss das 0:3 machen, dann ist das Spiel endgültig weg . . .“
Der linke Pfosten hielt 1860 im Spiel (Tietz, 79.) und bereitete die Bühne für den ältesten und den jüngsten Profi auf dem Platz. Mölders war es, der nach einem Moll-Freistoß sein sechstes Tor binnen sechs Tagen erzielte. In der 82. Minute schlug dann die Stunde von Knöferl: Das Talent aus Langenmoosen kam, sah das Gewühl vor sich und nahm seinerseits den Pfosten in Anspruch, um 1860 ins Glück zu schießen. Schlusswort Köllner: „Wir können auf ein tolles 2020 zurückblicken.“ Und zu Knöferl: „Für ihn ist das jetzt noch mal ein richtiger Kick.“ Für die Löwen-Fans auch. Weihnachten kann kommen.