München – Daryl Boyle vom EHC München und Henry Haase von den Augsburger Panthern hatten mal was zu besprechen, wofür die Regeln des Social Distancing kurz außer Kraft gesetzt wurden. Diese Szene in der 30. Minute war die einzige, nach der von beiden Teams je ein Spieler auf die Strafbank musste. Das Endergebnis in dieser Kategorie: München vier Minuten, Augsburg sechs. Was für ein friedvolles Eishockey-Derby zum verspäteten Auftakt der DEL.
München gewann es 3:2 (1:1, 2:1, 0:0), und EHC-Trainer Don Jackson war auch deswegen zufrieden, weil es emotional nicht übergeschwappt war wie sonst zwischen beiden Mannschaften üblich. „Vorige Saison“, blickt er zurück, „war, was die Strafzeiten betrifft, unsere schlimmste.“ Jetzt erlebte er ein in dieser Hinsicht „bemerkenswert gutes Spiel“. Auch der Augsburger Tray Tuomie befand: „Ein schnelles Spiel, mit gutem Fluss, viel Fünf gegen Fünf, da kam jeder ganz gut rein.“
Der EHC München hatte einen wuchtigen Auftakt mit früher Führung, als Trevor Parkes einen Schuss von Chris Bourque zum 1:0 abfälschte (4. Minute). Da schien man die unterschiedlichen Voraussetzungen zu spüren, die diese Saison prägen könnten: München seit viereinhalb Monaten im Training, fit und eingespielt; die Augsburger hatten erst am 1. Dezember das Eis betreten und, weil sie ohne Zuschauereinnahmen massiv sparen müssen, auf etablierte Verpflichtungen verzichtet. Sie holten Leute aus der DEL2 wie Max Eisenmenger (Frankfurt), der mit einem Tor, wie man es eher im Fußball sieht, das 1:1 erzielte und die Partie von da an (7. Minute) offen gestaltete. Eisenmenger hatte einen langen Pass aus der Abwehr erlaufen und spitzelte den Puck dem herausgelaufenen und überraschten Münchner Torhüter Daniel Fießinger durch die Beine.
Die Münchner schienen dann mit dem 2:1 von Neuzugang Zach Redmond (15.), dem 3:1 von Yannic Seidenberg (33.) und kurz darauf einem Pfostentreffer von Kalle Kossila ihre personelle Überlegenheit umzusetzen, doch der Ex-Münchner Thomas Holzmann brachte Augsburg zwölf Sekunden vor Ende des zweiten Drittels auf 2:3 heran. Im Schlussabschnitt waren die Panther ziemlich aktiv. „Wir waren einen Schuss weg vom Ausgleich“, befand Tuomie, „wir hatten gegen die beste Mannschaft der Liga unsere Momente“. und der rustikale Verteidiger Henry Haase gewann als Gesamteindruck: „Man sieht uns nicht großartig an, dass wir keine Trainingslager und all das Gedöns hatten.“ Yannic Seidenberg fand den Sieg seiner Mannschaft trotzdem in Ordnung: „Wir hatten zwei gute Drittel.“
Zum ersten Mal in einem Spiel für den EHC auf dem Eis war Kalle Kossila. Der Finne wurde aus Toronto (Vertrag bei den Maple Leafs in der NHL, letzte Saison gespielt für die Marlies in der American Hockey League) ausgeliehen, um Dominik Kahuns Platz einzunehmen. „Good skill level“, attestierte Don Jackson dem feinen Techniker und Läufer, den er in die Reihe mit Frank Mauer und Philip Gogulla stellte.
Knapp 15 Minuten Eiszeit bekam Kossila, etwas weniger als die Angriffsleader in der Mannschaft. Bei den „special teams“, die Über- und Unterzahl spielen, war er noch nicht dabei. Allerdings: Diese Situationen gab es ja kaum in diesem ruhigen Derby.
Ob sich das Eishockey ohne Zuschauer wirklich verändert hat, wird man am Mittwoch ab 18.30 Uhr sehen: Da spielt der EHC bei den Straubing Tigers, die sich man so gar nicht ruhig vorstellen kann, wenn München kommt.