München/Edmonton – Sie sind ein Team, ein großartiges, das zusammenhält – das beteuern die deutschen Eishockey-Junioren, die zur U 20-WM nach Edmonton gereist sind. Jedoch: Gemeinschaftlich kann dieses Team knapp eine Woche nach der Ankunft in Kanada nichts machen. Im 25-Spieler-Kader sind acht junge Männer Corona-positiv, sie müssen bis Heiligabend auf ihren Zimmern bleiben – Einzelquarantäne. Eine zweite Gruppe ist gesund, kann aber die nächsten Tage nicht mehr machen als zwischen Bett und Kleiderschrank auf dem Spinningrad zu fahren und Übungen mit dem eigenen Körpergewicht zu machen. Lediglich zehn Spieler dürfen zum Trainieren aufs Eis – denn sie haben eine Vorgeschichte: Die Infektion mit Covid-19 liegt bereits einige Zeit hinter ihnen.
„Ich bin überzeugt, dass wir alles getan haben und alles richtig gemacht haben“, sagt Sportdirektor Christian Künast. Eine Woche lebte das Team im Füssener Leistungszentrum in einer Bubble, viermal negativ getestet stiegen alle (38 – Staff inklusive) mit den Schweizern in Zürich in den Charterflieger nach Edmonton. „Am Sonntagabend dann waren drei positiv. Und dann hat es sich verbreitet, sodass wir bei acht Infizierten sind.“ Wo das Virus die Runde machte, noch in Füssen in der Kabine, im Bus nach Zürich, im Flugzeug – „alles Spekulation“, so Künast, der das Virus für nicht beherrschbar hält: „Ich hatte es elf Tage nach dem Deutschland Cup – mein Kontakt lag also lange zurück.“
Was tun? „Wir planen, am 24. Dezember mit 15 Feldspielern und zwei Torhütern zu trainieren“, kündigt U 20-Bundestrainer Tobias Abstreiter an. Künast verhandelt mit den zuständigen Stellen, ob man noch einen Tag gewinnen kann. Von den positiven Fällen haben einige „erhöhte Temperatur, etwas über 38 Grad oder fühlen sich schlapp“. Alle müssen zwei Tage durch eine Return-to-play-Prozedur: „Ich habe bei einer Sportveranstaltung noch nie so viele Ärzte gesehen.“
Am ersten Weihnachtsfeiertag geht es wohl mit stark reduziertem Team und ohne richtiges Training los. Die ersten Gegner: Finnland, Kanada – Weltmächte. Tobias Abstreiter nimmt es als „gutes Wettkampftraining“. GÜNTER KLEIN