Der ewige Olympier

von Redaktion

Der frühere NOK-Präsident Walther Tröger starb im Alter von 91

Frankfurt/Main – Das Attentat am 5. September 1972 auf die Olympischen Spiele in München war die wohl größte Herausforderung in der Sportfunktionärskarriere von Walther Tröger. Als Bürgermeister des olympischen Dorfes verhandelte er mit den palästinensischen Terroristen, die israelische Athleten, Trainer und Kampfrichter als Geiseln genommen hatten. „Ich war bis zum Schluss dabei“, erzählte Tröger, der am Mittwoch im Alter von 91 Jahren starb, später. „Meine Aufgabe war es, die Ultimaten immer wieder zu verlängern.“ Bei dem Anschlag kamen 17 Menschen ums Leben.

Wie seine Familie mitteilte, ist Tröger aus „altersbedingten Ursachen“ friedlich gestorben. Der Sohn Wolfram Tröger und seine Tochter Sabine Groß würdigten ihn als einen Menschen, der „sein Verantwortungsbewusstsein, seine Entscheidungsklarheit, Menschlichkeit und Zuverlässigkeit“ sein Leben lang im Dienste des deutschen und internationalen Sports einsetzte.

Das Internationale Olympische Komitee hob die Bedeutung von Trögers Wirken für den deutschen und internationalen Sport hervor. „Walther Tröger hat einen großen Beitrag für das IOC geleistet, zunächst als Sportdirektor, dann als Mitglied und zuletzt als Ehrenmitglied“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Er habe sich in den vielen Jahren unermüdlich für die Verwaltung des Sports eingesetzt und die Entwicklung des nationalen und weltweiten Sports „maßgeblich beeinflusst“. Auch der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes bekundete seine Trauer. „Wir verneigen uns vor einer einmaligen Lebensleistung im Sinne des Sports“, sagte Alfons Hörmann.

Der im bayerischen Wunsiedel geborene Jurist begann seine sportpolitische Karriere beim Allgemeinen Deutschen Hochschulbund, den er von 1953 bis 1961 als Generalsekretär mit lenkte. Danach wechselte Tröger in gleicher Funktion zum Nationalen Olympischen Komitee (NOK), bis er zum Sportdirektor des Internationalen Olympischen Komitees (1983 bis 1990) aufstieg.

1992 trat der praxisorientierte Funktionär die Nachfolge des Visionärs Willi Daume als NOK-Präsident (bis 2002) an – und erlebte am Ende eine der bittersten Stunden seiner Laufbahn. Bei einer Kampfabstimmung um die Wiederwahl verlor er gegen Klaus Steinbach. „Ich bin unzufrieden und fühle mich ungerecht behandelt“, beklagte Tröger damals tief getroffen. „Natürlich ist das nicht der Abgang, wie ich ihn mir vorgestellt habe.“

Großes Renommee erwarb er sich im IOC. Die „Frankfurter Rundschau“ nannte ihn einst den „ewigen Olympier“. Von 1989 bis 2009 war er IOC-Mitglied und wurde anschließend zum Ehrenmitglied ernannt. Als Chef de Mission führte er die deutsche Olympia-Mannschaft von 1976 bis 2002 achtmal bei Spielen an. „Ich habe Olympia viel gegeben – und Olympia hat mir viel gegeben“, bilanzierte Tröger.  dpa

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