Herzlich willkommen! Heute begrüßen Deutschlands Zeitungen wieder jene neuen Erdenbürger, die als erste im Jahr 2021 das Licht der Welt erblickt haben, auch von uns alles Gute. Gleichzeitig bedauern wir, durch die sportfachliche Brille betrachtet, all die Babys, die ein bisschen zu schnell und ungeduldig waren und kurz vor der Jahreswende rauswollten. Die nämlich werden es, sollten sie später mal von der großen Fußballkarriere träumen, ziemlich schwer haben.
Beim DFB bastelt man, wie man hört, zwar intensiv an neuen Nachwuchskonzepten, das Problem, dass Spieler, die eigentlich hochtalentiert wären, aber halt spät im Jahr geboren wurden, von einer optimalen Förderung ausgeschlossen werden, kriegt man wohl trotzdem nicht in Griff. Beim FC Bayern zum Beispiel sind in der aktuellen U19 gerade mal zwei Jungs im letzten Quartal zur Welt gekommen, 15 dagegen in den ersten drei Monaten, in der U17 haben nur zwei im zweiten, 18 aber im ersten Halbjahr Geburtstag. Nur Zufall – oder doch schon fast diskriminierend?
Eher Letzteres, denn kein Mensch (und schon gar kein Sportwissenschaftler) wird ernsthaft behaupten, dass im Sternzeichen des Wassermanns Geborene einfach mehr sportliches Talent mitbekommen haben als Skorpione und Schützen. Vielmehr dürfte es am Vorsprung in der Entwicklung liegen und am Erfolgsdenken der Vereine und Trainer, die den weiter entwickelten und damit körperlich meist stärkeren Spieler vorziehen, mit dem halt leichter Titel und Medaillen zu gewinnen sind.
Unter diesem Aspekt erscheint es gar nicht so verkehrt, wenn der DFB plant, in den höchsten Juniorenligen Auf- und Abstieg abzuschaffen. Ohne den Druck, die Klasse halten zu müssen, könnten Trainer auch den retardierten Talenten viel mehr Spielpraxis geben (was sich, wenn sie den physischen und mentalen Rückstand aufgeholt haben, durchaus bezahlt machen könnte). Einer der Nachteile dieses Konzepts, nur noch die Nachwuchsleistungszentren in einem geschlossenen Zirkel gegeneinander antreten zu lassen, wäre allerdings, dass die Jungs zu wenig auf die Zeit vorbereitet werden, wenn es im Profifußball dann plötzlich knallhart um Ergebnisse geht.
Ein bisschen übertrieben ist allerdings schon, wenn der Manager von Union Berlin die DFB-Idee schroff als „Ringelpiez mit Anfassen“ abkanzelt. Anfassen soll man sich derzeit ohnehin nicht, und wenn 17-, 18-Jährige, die bei einem Bundesligisten ausgebildet werden, Spiele gegen konkurrierende Nachwuchsleistungszentren als Ringelpiez sehen, sind sie von ihrer Mentalität her ohnehin kaum für eine Profikarriere geeignet. Wer es so weit gebracht hat, der will gewinnen, immer und immer wieder. Da muss es nicht um Auf- oder Abstieg gehen, was übrigens in Österreich schon lange funktioniert. Salzburg gewann 2017 mit seiner U19 sogar die Youth League, hat dabei Paris St. Germain, Barcelona und Benfica Lissabon geschlagen.
Und oft sind es ja gerade die, die lange unterschätzt werden, die sich zu echten Mentalitätsmonstern entwickeln. Philipp Lahm ist so ein Beispiel, im November geboren und immer der Kleinste, auch Manni Schwabl. Man muss ihnen nur eine Chance geben und ihr Talent entsprechend fördern.
Meist aber werden sie frühzeitig aussortiert, gute Fußballer zwar, aber zu klein, zu schmächtig. Den Eindruck jedenfalls gewinnt man, wenn man auf die Geburtsdaten der Nachwuchskader schaut, übrigens gerade auch in den U-Teams des DFB. Logisch, wenn die Bundesligisten nur die Frühgeborenen ausbilden.
Interessant wäre, mal ein talentiertes Zwillingspaar zu verfolgen, von dem der eine kurz vor, der andere kurz nach dem Jahreswechsel geboren wurde. Wäre sicher eine ziemlich spannende Geschichte, die viel über Fehler im System erzählen könnte.
Talente, die in ihrer körperlichen Entwicklung einen zeitlichen Rückstand haben, bleiben oft auf der Strecke