„Historisches Ereignis, eigentlich unfassbar“

von Redaktion

Eishockey-Junioren stehen nach Turnier der Widrigkeiten im WM-Viertelfinale gegen Russland

VON GÜNTER KLEIN

Edmonton/München – Eine existenzielle Angelegenheit war die U 20-Weltmeisterschaft in Edmonton für die deutsche Eishockey-Juniorennationalmannschaft nie. Denn schon Wochen vor der Abreise stand fest: Sie kann nicht absteigen, weil es wegen Corona keine B-WM und somit auch keinen Aufsteiger in die A-Gruppe gab, „Da haben einige erleichtert durchgeschnauft“, witzelte Franz Reindl, der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Man muss, wenn man auf die großen Nationen trifft, sich ja immer um den Klassenerhalt sorgen.

Doch nun ist klar: Die jungen Deutschen waren stark genug, um sich nicht mit der Abstiegsfrage befassen zu müssen. Sie gewannen ihr vorletztes Vorrundenspiel nach Verlängerung 4:3 gegen die Slowakei und abschließende 5:4 gegen die Schweiz, wo immens viel Geld in die Nachwuchsarbeit fließt. Deutschlands U 20 steht als Dritter ihrer Gruppe im Viertelfinale gegen den Zweiten aus der anderen, Russland. Gespielt wird am Samstag um 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit, in Edmonton ist es 10 Uhr vormittags. MagentaSport überträgt live und frei empfangbar. „Unser Weg“, kündigt Sportdirektor Christian Künast an, „ist noch nicht zu Ende.“ Schließlich liegt der psychologische Vorteil bei den Deutschen – und nicht nur, weil sie Außenseiter sind.

Kein Team musste mehr Widerstände überwinden. Für die WM fielen grundsätzlich schon mal drei Spieler, unter ihnen NHL-Erstundendraftpick Lukas Reichel, wegen positiver Covid-19-Tests aus. Nach Ankunft in Edmonton hatte die DEB-Equipe acht, später sogar neun infizierte Akteure, Die drei ersten Spiele bestritt sie mit einem Minikader, musste auch das demütigende 2:16 gegen Kanada hinnehmen. Zum Spiel gegen die Schweiz, das klarer verlief, als es das Ergebnis von 5:4 besagt (4:0- und 5:2-Führung, dann noch zwei Gegentreffer in Unterzahl) stand schon ein stattliches Aufgebot von sieben Verteidigern und zwölf Stürmern zur Verfügung. Die Angriffsreihe mit Tim Stützle (demnächst Ottawa Senators), John-Jason Peterka aus München (drei Tore gegen die Schweiz) und dem Mannheimer Florian Elias belegt in der Scorerwertung des Turniers die Plätze drei bis fünf. Der beste Russe, Rodion Amirow, ist Elfter.

Dass Bundestrainer Tobias Abstreiter auf solch eine Top-reihe bauen kann, ist ein Glück – andererseits macht es seine Mannschaft berechenbar. Doch er findet, dass sein Team völlig befreit ins Spiel gegen Russland gehen kann. Gewonnen hat es ja schon. Abstreiter: „Das ist für mich ein historisches Ereignis, was hier passiert ist. Mit diesen Umständen, die wir erlebt haben, jetzt im Viertelfinale zu stehen, das ist eigentlich unfassbar.“

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