Stuttgart – Der Machtkampf beim VfB Stuttgart ist endgültig eskaliert: Zu Beginn des neuen Jahres stehen sich der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger und Vereinspräsident Claus Vogt unversöhnlich gegenüber – und stellen ihre gegenseitige Abneigung in aller Öffentlichkeit zur Schau. Vogt wolle sich profilieren, sagt Hitzlsperger. Der frühere Nationalspieler vergreife sich im Ton, erwidert Vogt.
Die Schwaben erwartet nun auf ihrer Mitgliederversammlung am 18. März eine Kampfkandidatur Hitzlspergers, der neben seinen Ämtern im Vorstand der AG auch die Hoheit über den Gesamtverein anstrebt. Er ist einer von vier Kandidaten, die ihre Präsidentschaftsbewerbung eingereicht haben, zwei müssen vom Beirat in den kommenden Tagen für die Wahl ausgesucht werden.
Hitzlsperger hat Vogt als seinen Rivalen ausgemacht, den er zum Wohle des Vereins aus dem Amt drängen müsse. Vogt, selbst erst seit Dezember 2019 im Amt, sorge für einen „tiefen Riss“. „Das mag im Moment intern sogar in einigen Bereichen stimmen“, gab Vogt zu, er sei dafür allerdings nicht verantwortlich. Er verteidigte auch seine Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender des Clubs, der verpflichtet sei, die Interessen der Mitglieder zu beaufsichtigen.
Für Hitzlsperger ist das nicht mehr als ein „Profilierungswunsch“, mit dem Vogt die „Existenz des ganzen Vereins“ bedrohe. Dieser wiederum warf dem Sportvorstand vor, „auch das Vertrauen, das alle Mitglieder seit einem Jahr wieder zum VfB haben, zum Einsturz“ zu bringen. Das Vertrauen speist sich auch aus dem sportlich starken Jahr, das hinter den Stuttgartern liegt.
Aber: „Unser Erfolg darf keine Momentaufnahme sein“, forderte Hitzlsperger, dessen Wort beim VfB auch deshalb Gewicht hat, weil er zuletzt höchst erfolgreich arbeitete. Das Team steht als Aufsteiger auf Platz sieben, spielt mutigen und sehenswerten Offensivfußball. Dennoch formulierte Hitzlsperger eine düstere Zukunftsprognose. „Wir sind auf dem Weg, kaputtzumachen, was wir in den letzten zwölf Monaten erreicht haben“, schrieb er: „Meine Kandidatur soll ein Ausweg aus dieser Lage sein.“
Der alte Präsident müsse demnach weg. „Claus Vogt ist mit Zielen und Vorstellungen angetreten, die uns allen wichtig sind. Ein Jahr später ist so gut wie nichts davon umgesetzt“, schrieb er: „Bei keinem dieser Themen, bei denen der Präsident die Führung übernommen hat, gibt es erkennbare Fortschritte. Es tut mir leid, aber das lässt sich nicht auf die Corona-Pandemie schieben.“
Das kann Vogt nicht stehen lassen. Für ihn habe das Präsidium dafür gesorgt, dass die Fans „wieder Freude und Spaß am VfB“ hätten. Er habe mit seinem Kollegen Gräben „zugeschüttet“, „dringend benötigte Kontinuität“ geschaffen und „ein positives, sympathisches Bild nach außen abgegeben. Die Menschen mögen uns. Das war nicht immer so in Stuttgart.“
Eigentlich, so Vogt, gehe es bei dem Streit mit Hitzlsperger um etwas ganz anderes. Die Aufklärung des Skandals, bei dem anscheinend Daten der Mitglieder unerlaubt an Dritte weitergegeben wurden, habe er zur Chefsache gemacht und „eine völlig neutrale und unabhängige Kanzlei beauftragt, die Angelegenheit für unsere Mitglieder lückenlos zu aufklären“. Hitzlsperger hatte Vogt vorgeworfen, ohne „die nötige Sorgfalt, Kompetenz und Abstimmung“ agiert zu haben.
Die unwürdige öffentliche Auseinandersetzung wird im neuen Jahr ihre Fortsetzung finden. sid