Halbzeit bei der Tournee

Raus aus der Favoritenrolle

von Redaktion

PATRICK REICHELT

Es gab ja einmal eine Zeit, da gab es für die deutschen Skispringer bei der Vierschanzentournee vor allem eine verlässliche Größe: Garmisch-Partenkirchen, das Neujahrsspringen, das war nicht die Sache der Deutschen. Oft, zu oft ließ man auf der Olympiaschanze die ganz großen Tournee-Hoffnungen liegen. Nun, soweit ist es in diesem Jahr nicht gekommen. Zumindest Karl Geiger hat seinen Hut immer noch im Ring, wenn das Turnier nun zum Co-Gastgeber nach Österreich weiterzieht.

Und doch ist die Euphorie des Auftakts ein bisschen geschwunden. Denn wenn man auf die nun beendete erste Halbzeit dieser 69. Vierschanzentournee zurückblickt, dann mischen sich zumindest leise Zweifel ins immer noch verheißungsvolle Bild. Klar, Eisenbichler und vor allem Geiger haben die beiden ersten Vierschanzen- Geisterspringen mitbestimmt. Aber die Stabilität eines Tourneesiegers haben beide bislang nur bedingt an den Tag gelegt. Ob Training, Qualifikation, Probesprung oder Wettkampf – vor allem durch die beiden Tage in Partenkirchen bewegten sich Geiger und Eisenbichler in teilweise heftigen Wellen. Was für ein Unterschied etwa zu Halvor Egner Granerud. Der Norweger wurde im ersten Durchgang in Oberstdorf noch vom Wind ausgebremst. Ansonsten segelte er wie an der Schnur gezogen in Richtung Tal. So knapp die Abstände in der Gesamtwertung noch sein mögen – in dieser Form ist der Weltcup-Spitzenreiter im Rennen um den Goldenen Adler der Topfavorit.

Aber wer weiß, vielleicht kommt die veränderte Ausgangsposition ja gerade Karl Geiger ganz gelegen. Der Oberstdorfer steht nicht mehr ganz vorne im Rampenlicht. Sogar bei Granerud nicht, der in Partenkirchen schon Tagessieger Dawid Kubacki zum schärfsten Rivalen um den Gesamtsieg erklärte. Geiger kann sich schon in Innsbruck als Jäger versuchen. Auf einer Schanze, mit der die Deutschen allerdings auch nicht viel Gutes verbinden. Denn wenn man das Neujahrsspringen überstand, verspielte man die Tournee-Aussichten in den letzten Jahren spätestens dort.

patrick.reichelt@ovb.net

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