München – Beim 5:0-Erfolg der Löwen Mitte Dezember gegen Waldhof Mannheim gehörte Matthew Durrans nur zu den Statisten. Eingewechselt für den Mann des Tages, Sascha Mölders, blieb sein Debüt für die meisten eine Fußnote. Der Fokus lag schon eher auf dem 17-jährigen Lorenz Knöferl, der ebenfalls debütieren durfte.
Doch ein Blick auf die Vita von Durrans zeigt, wie wichtig die ersten Minuten im Profifußball für den Stürmer waren. Bereits mit drei Jahren stand Durrans in Vancouver auf dem Fußballplatz. Später schaffte er es in das Nachwuchsprogramm der Vancouver Whitecaps, Ausbildungsverein von Alphonso Davies. Besessen von dem Traum, Profi zu werden, wagte er 2013 zusammen mit seiner Familie den Schritt nach Deutschland – ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Über eine Agentur landete er im Probetraining beim SC Fürstenfeldbruck, einige Monate später bei den Münchner Löwen im Nachwuchsleistunszentrum (NLZ). Dort kam er über die Rolle des Ergänzungsspielers nie hinaus.
So folgte 2016 für die letzte Spielzeit seiner Jugend der Wechsel zum FC Deisenhofen in die U 19-Bayernliga. „Ich glaube, dass er es nicht einmal so sehr als Rückschritt gesehen hat“, erinnert sich sein damaliger Co-Trainer Bernhard Paschke . „Manche haben ihn vielleicht belächelt, aber er hat immer klar formuliert, dass er Profi werden möchte.“ Auf seiner Wunschposition im zentralen Mittelfeld konnte er endlich die Spielpraxis sammeln.
Als wichtiger Teil eines mit Topspielern gespickten Deisenhofener Teams – darunter Sascha Hingerl und Torschützenkönig Emre Tunc – verpassten Durrans und Co. die Meisterschaft hinter der SpVgg Unterhaching nur hauchdünn.
Bei seinen Weggefährten bleibt vor allem die Bereitschaft Durrans‘, sich für das Team zu opfern, in Erinnerung. „Wir mussten ihn im Regenerationstraining immer bremsen“, sagt Paschke. Auch sein späterer Coach beim VfR Garching, Daniel Weber, hat ähnliche Erinnerungen an seinen ehemaligen Schützling. „Matti kann man in der Nacht um drei Uhr aufwecken und sagen: ‚Komm wir trainieren jetzt!‘“
Trotz Webers positiven Erinnerungen an die Zeit mit dem Kanadier ging es für Durrans nach seinem Wechsel in die Garchinger Regionalliga-Mannschaft nicht weiter bergauf. „Wir haben ihm von Anfang an gesagt, dass es für die Regionalliga noch nicht reicht“, erinnert sich Weber. „Er brachte zwar eine gute Athletik und Schnelligkeit mit, aber es mangelte vor allem noch am Spielverständnis.“ So funktionierte ihn der langjährige Garchinger Coach um – vom Sechser zum Außenverteidiger und Flügelspieler. Die erhoffte Spielpraxis bekam er dennoch nicht. „Der Abstiegskampf war einfach auch nicht die ideale Situation“, gibt Weber zu. In anderthalb Jahren kam Durrans auf 13 Liga-Einsätze – drei davon bei der Reserve in der Kreisklasse. Die Profikarriere schien weit weg wie nie. Der Wechsel zur U 21 des TSV 1860 in die Bayernliga im Winter 2018/19 schien zunächst wieder ein Rückschritt zu sein, erwies sich rückblickend allerdings als goldrichtig.
Zunächst unter Sebastian Lubojanski, später unter Frank Schmöller etablierte sich Durrans endlich auch im Erwachsenenbereich. So wurde er in der Offensive zum unverzichtbaren Stammspieler. „Entweder auf dem Flügel oder als Spitze – das kann er beides spielen“, sagt Schmöller.
Seit dieser Saison gehört Durrans nun zum Kader von Michael Köllner bei den Profis. Auch dem Cheftrainer der Löwen blieben die guten Anlagen nicht verborgen. Köllner gibt aber zu bedenken: „Man hat aber auch gesehen, dass er noch viel an sich arbeiten muss.“ Für Durrans ist es noch ein weiter Weg, um sich dauerhaft im Profifußball durchzusetzen. „Am Ende kommt es natürlich auch ein wenig auf Glück an“, sagt Schmöller.
Der Trend unter Köllner geht auf jeden Fall in die richtige Richtung. Der 50-Jährige setzt bewusst auf den eigenen Nachwuchs. Auch Durrans ehemaliger Jugendtrainer Paschke verfolgt den Weg seines Schützlings gespannt weiter: „Natürlich hoffe ich, dass der Trainer auch zum richtigen Zeitpunkt auf ihn setzt.“
Im Interview mit seiner ehemaligen Schule in West Vancouver sprach Durrans 2016 über seine großen Träume: Profifußballer zu werden und eines Tages das Trikot seines Lieblingsvereins überzustreifen – das Jersey von Manchester United. Zumindest der erste Traum ist mittlerweile greifbar.
So wie Weber Durrans kennengelernt hat, wird der Offensivspieler diese Möglichkeit nicht einfach an sich vorbeiziehen lassen. Sondern zupacken. „Es wäre nicht das erste Mal, dass Matti seine alten Weggefährten überrascht.“