Erst wacklig, dann standesgemäß

von Redaktion

Bayern wandelt 0:2-Rückstand gegen Mainz in ein 5:2 – Flick sieht Redebedarf

VON JONAS AUSTERMANN UND MANUEL BONKE

München – Neues Jahr, altes Bild: Der FC Bayern lief auch gegen den FSV Mainz einem Rückstand hinterher – zum achten Mal in Folge – und drehte die Partie doch wieder dank einer fabelhaften zweiten Halbzeit. 5:2 (0:2) hieß es am Ende, standesgemäß gegen die abstiegsbedrohten Gäste.

„Die erste Halbzeit war viel zu wenig von uns. Da war jeder an der Ehre gepackt“, sagte Joshua Kimmich. „Die zweite Hälfte haben wir mit einer komplett anderen Einstellung bestritten. Es war sehr wichtig, dass wir eine Reaktion gezeigt haben. Aber wir hatten auch Glück, dass Mainz nicht das dritte Tor gemacht hat.“

In der Tat hatten sich die Gäste im einzigen Spiel unter Interimstrainer Jan Siewert einen guten Plan zurecht gelegt. Mit einer Mittelfeldraute legte der Vorletzte das Zentrum der Münchner im ersten Durchgang weitgehend lahm. Kimmich kam beim Startelf-Comeback nach seiner Meniskus-OP zunächst gar nicht zur Geltung. Jonathan Burkhardt gab früh einen Warnschuss ab, Manuel Neuer hielt stark (5.). Die ersten Bayern-Abschlüsse von Leroy Sané (8.) und Corentin Tolisso (16., 27.) brachten keinen Erfolg. Mainz fühlte sich immer wohler in der Allianz Arena.

Burkhardt verpasste erst noch knapp (31.), eine Minute später aber klingelte es im Münchner Kasten. Bei einem langen Ball in die Spitze verpasste Burkhardt Jerome Boateng einen kleinen Rempler und behielt vor Neuer die Nerven. Boateng beschwerte sich lautstark, sah Gelb von Schiedsrichter Markus Schmidt. Die schnelle Bayern-Antwort verhinderte Gästekeeper Finn Dahmen mit einer starken Flugeinlage gegen den Schuss von Robert Lewandowski (36.). Auf der Gegenseite scheiterte Robin Quaison an Neuer (40.). Alexander Hack aber überwand den Welttorhüter mit einem Kopfball nach Freistoßflanke (44.), Thomas Müller hatte gepennt. Mainz führte nicht nur 2:0, sondern wirkte auch galliger, kam zudem auf mehr Torschüsse als die Bayern.

„Ich kann auch laut werden, kein Problem“, sagte Hansi Flick nach Spielschluss. Ob er das am Sonntagabend geworden war, wollte er aber nicht verraten. Boateng und der schwache Benjamin Pavard blieben in der Kabine, Niklas Süle und Leon Goretzka kamen. Noch viel wichtiger: Kimmich spielte fortan als Rechtsverteidiger. Und der Ausnahmekicker bekam gegen die Mainzer Mittelfeldraute viel Platz. „Sie haben versucht, das Zentrum zuzumachen. Unsere freien Spieler waren die Außenverteidiger“, erklärte Kimmich selbst.

Nachdem Neuer den Versuch von Danny Latza an den Pfosten gelenkt hatte (48.), konnte die Münchner Aufholjagd losgehen. Serge Gnabry flankte, Lewandowski leitete per Kopf weiter und Kimmich – wer auch sonst – nickte zum 1:2 ein (50.).

Der Rechtsverteidiger war nicht mehr zu stoppen. Sané zog nach Kimmichs Zuspiel unwiderstehlich in die Mitte, schoss flach links ein – 2:2 (55.). Und Mainz? Quaison nagelte das Leder aus 20 Metern an die Querlatte (59.), dann aber war die Gegenwehr gebrochen.

Süle traf nach einer Ecke zum 3:2 (70.). Weltfußballer Lewandowski fehlte bis dato noch in der Münchner Torschützenliste. Kein Zustand für den Polen! Nach Foul an Gnabry versenkte Lewy den Elfmeter (76.) und legte nach Müller-Vorlage das 5:2 nach (83.). Achter Rückstand in Serie, zum achten Mal nicht verloren danach. Ein 0:2 aber hatten selbst die Comeback-Bayern letztmals 1988 umgebogen. Trotzdem meinte Flick: „Wir werden ein paar Dinge ansprechen müssen.“

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