Man sollte das mal zum Ausdruck bringen: Herzlichen Dank, FC Schalke 04! Dieser Verein steht ja eigentlich für Kommerz in seiner konsequentesten Form, mit einem Stadion, das über ein Dach und eine Rasenschublade verfügt und sich von einem russischen Gaskonzern sponsern lässt. Doch ausgerechnet er setzt um, worüber Task-Force-Gruppen und Ultra-Kurven immer nur reden: Die Rückkehr zur Bundesliga, wie sie früher einmal war. In den nächsten Tagen wird viel über die Saison 1965/66 gesprochen werden. Weil Schalke nur noch einen Nichtsieg davon entfernt ist, den Unfähigkeits-Rekord von Tasmania Berlin selig anzugreifen. 31 Spiele.
Ist Schalke also genauso überfordert und schwach wie das legendäre Tasmania Berlin? Kein bisschen. Man darf bei dieser Geschichte aus der Frühzeit der Bundesliga nicht übersehen, dass sich die Mannschaft sportlich überhaupt nicht qualifiziert hatte, sondern quasi aufgrund einer politischen Quotenregelung für Berlin aufgenommen und aus dem Urlaub geholt wurde. Schalke hingegen: Stand vor einem Jahr mit einem Bein im internationalen Geschäft. Auch beim Personalbestand kein Vergleich zwischen Tasmania ’66 und Schalke ’21. Die Berliner Spieler wollte nach dem Bundesligajahr kein anderer Erstligist haben, noch nicht mal den wunderbaren Heribert Finken, der sich Gegenspielern mit dem Satz vorstellte: „Mein Name ist Finken, und gleich wirst du hinken.“ Seinen zehn Bundesligaspielen für Tasmania folgten keine weiteren. Schalkes Akteure würden aber wahrscheinlich Abnehmer bei der heutigen Konkurrenz finden: Die meisten von ihnen haben sich in anderen Situationen und zu anderen Zeiten schon bewährt. Sogar ein Team mit dem Versager-Stempel würde heutzutage gefleddert werden.
Schalke ist nicht Tasmania. Und hat das Glück, dass andere Clubs derzeit auch tasmaniesk agieren. Aber schön, dass die Geschichte dieses speziellsten Vereins in der Bundesliga-Geschichte nun wieder aufgerollt wird. Seit 1973 gibt es Tasmania nicht mehr. Wäre jetzt nicht die Gelegenheit, diesen wunderbaren Verlierer wiederzubeleben? Investoren, aufgemerkt, große Versuchung!
Guenter.Klein@ovb.net